Bekommt dieses Mal einen heftigen Schlag aufs Haupt: Harald Krassnitzer als Kommissar Moritz Eisner im neuen "Tatort". Foto: ORF

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STANDARD: Können Krimis den Tourismus ankurbeln?

Krassnitzer: Nicht unmittelbar, aber langfristig haben sie eine Botschaft. Als die ersten amerikanischen Serien in den 50er-Jahren zu uns kamen, haben sich schnell Kaufgewohnheiten geändert. Wie sehr haben uns Serien wie Lassie, Fury und Bonanza geprägt.

STANDARD: Ist es nicht naiv zu glauben, man kann Touristen mit einem Krimi anlocken?

Krassnitzer: Wenn man den Aspekt weiterverfolgt, müssten alle Filme in einem schwarzen Raum spielen. Es gibt keinen Krimi, der nicht in irgendeiner Form einen optischen Reiz bietet. In Zeiten wie diesen halte ich es für ein durchaus legitimes Mittel zu sagen, wir bemühen uns darum, unsere Authentizität nach Europa zu schicken. Das gehört für mich zum öffentlich-rechtlichen Auftrag.

STANDARD: Tut's dem Krimi gut?

Krassnitzer: Ich finde, auch dem Krimi tut's gut. Linz hat eines der herausragendsten Weltereignisse mit der Ars Electronica, hat eines der tollsten modernen Museen und hat das Brucknerfestival jenseits der Salzburger und Bregenzer Schickimicki-Events.

STANDARD: Sind beim Krimi nicht die unbekannten Räume hinter der Prachtfassade spannender?

Krassnitzer: Nicht alles in unserem Tatort ist Hightech und Saubermann. Wir haben im Stahlwerk gedreht, und man sieht die heftige Atmosphäre der Voest.

STANDARD: Den Kommissar spielen Sie seit zehn Jahren. Was reizt Sie?

Krassnitzer: Die Herausforderung ist das Thema. Wie beim richtigen Menschen macht man immer wieder neue Schritte. Man ist sich selber auch nie fad, weil man immer wieder dazulernt. Eisner wird mit dem scheinbar spröden Thema der künstlichen Befruchtung konfrontiert und muss dazu eine Haltung entwickeln. Das ist spannend.

STANDARD: Österreichs Kinofilme haben im Moment einen guten Lauf. Haben Sie je von Palme oder Oscar geträumt?

Krassnitzer: Nein. Wer das Zeug dazu hat, muss von Anfang an Ellbogentechnik anwenden und sich nach diesem Markt orientieren. Und dann gibt es die Glücksfälle einer Konstellation, wie bei Ruzowitzky und Markovic. Einen Oscar zu gewinnen war nie mein Ansinnen. Ich wollte hier schauen, dass ich meinen Beruf ausüben darf und größtmöglichen Spaß habe.

STANDARD: Helfen die Preise dem österreichischen Film?

Krassnitzer: Im Moment ist die gesamte Filmbranche total erschüttert. Die Tatsache, dass sich die Politik zum Palmensieg von Herrn Haneke meldet, ist ein Schlag in die Fresse von uns allen. Im Grunde genommen müsste man ihnen sagen: Ihr seid nicht in den Zeiten da, wo wir euch gebraucht hätten. Bitte meldet euch auch dann nicht, wenn manche von uns Erfolge feiern. Es ist unerträglich, denn schon am dritten Tag danach hat sich die Politik wieder verabschiedet.

STANDARD: Film im Fernsehen?

Krassnitzer: Man merkt die Kürzungen. Produzenten versuchen täglich, ihre Projekte unterzubringen. Sie scheitern, weil Abteilungsleiter nicht sagen können, wie das Unternehmen weiter geführt wird. Die Politik hat sich von dem scheinbar großen Wurf der Umstrukturierung des ORF zurückgezogen, dabei bräuchte es genau jetzt wichtige Weichenstellungen.

STANDARD: Würden Sie den Generaldirektor machen? Der richtigen Partei fühlten Sie sich zugehörig.

Krassnitzer: Ich weiß nicht, ob es noch zwingend die richtige Partei ist. Da läuft ja vieles, womit ich gar nicht glücklich bin. Generaldirektor kann ich nicht werden, denn das verlangt eine hohe Kompetenz. Ich bin nur Schauspieler. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 29.5.2009)