Wien - Der Wiener ÖVP-Obmann Johannes Hahn ist am Donnerstag als Vorsitzender der Landespartei bestätigt worden. Beim 32. Landesparteitag im Wiener Messezentrum erhielt er 89 Prozent der Delegiertenstimmen. Damit blieb Hahn klar unter dem Wert vom vergangenen Parteitag im Jahr 2005, als er Alfred Finz an der Spitze ablöste. Damals war der VP-Chef auf 95,7 Prozent der Stimmen gekommen.

Mit der Wahl änderte sich auch die Riege der Vize-Obleute. Gabriele Tamandl und Wolfgang Ulm wurden mit 95,2 beziehungsweise 94,3 Prozent der Stimmen in ihrer Funktion bestätigt. Zum ersten Mal hingegen stellten sich der designierte JVP-Chef Sebastian Kurz und Katharina Cortolezis-Schlager den Delegierten.

Kurz konnte 86 Prozent der Stimmen für sich gewinnen, Cortolezis-Schlager erreichte 81,9 Prozent. Die beiden Neo-Stellvertreter ersetzen ab sofort Ulrike Baumgartner-Gabitzer und Ferry Maier. Letzter wird neuer Finanzreferent.

Pröll will erster bei EU-Wahl werden

"Wir wollen als erstes durchs Ziel gehen, wir wollen gewinnen." - Vizekanzler und ÖVP-Chef Josef Pröll hat beim 32. ordentlichen Landesparteitag der Wiener ÖVP den, wie er sagte, "Führungsanspruch" bei der kommenden EU-Wahl gestellt. Die ÖVP sei die einzige Partei mit "klar pro-europäischem Kurs", wie er versicherte. Pröll widmete sich in seiner Rede aber auch Wien und der FPÖ, wobei er seine Kritik am Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf bekräftigte.

Es gebe viele, so Pröll, die sagen: "Was geht mich die Europawahl an?" Doch Tatsache sei, dass es ohne Europäische Union keine Krisenbewältigung gebe. Die ÖVP sei die einzige Partei, die Europa weiterentwickeln wolle, "mit Ernst Strasser an der Spitze und Othmar Karas hier in Wien".

In Wien selbst sei es an der Zeit, dass die Volkspartei - und "Gio" Hahn - auch hier die Verantwortung übernehme. Wien schlage alle Rekorde, was die Kosten für die Verwaltung betreffe, so Pröll, der von seiner Anreise ins Messezentrum berichtete: "Da fährt man hierher und wo fährt man vorbei? Am Pratervorplatz. Mehr sage ich nicht." Die ÖVP müsse gemeinsam daran arbeiten, dass es auch in Wien zu Veränderungen komme.

"Es sind sehr aufregende Zeiten", befand der ÖVP-Obmann. Die Volkspartei müsse dabei auch "klar Profil" zeigen: "Wer in die rechtsradikale Diktion fällt, wer Antisemitismus zum Gegenstand des Wahlkampfes macht, hat nichts in der Spitzenpolitik Österreichs verloren." Martin Graf müsste wissen, "was er zu tun habe", so Pröll, der jedoch auch an dieser Stelle keine explizite Rücktrittsaufforderung an den FP-Politiker richtete.

Stattdessen gab es einen abschließenden Ausblick: Sollten die EU-Wahl und jene in Wien (angesetzt für 2010, Anm.) für die ÖVP erfolgreich sein, dann würden die Chancen laut Pröll steigen, dorthin zu kommen, "wo wir hinwollen": "Auf Platz eins in Österreich." Zu diesem Ziel werde weder die zur Faust geballte Linke noch die zum deutschen Gruß erhobene Rechte, sondern die "Politik der Mitte" führen, versicherte Pröll. (APA)