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Liegt hier nicht die echte Rosa Luxemburg? MedizinerInnen der Berliner Charité behaupten das nun und haben triftige Gründe.

Foto: APA/AP/Markus Schreiber

Berlin/Wien - Alljährlich pilgert Deutschlands Linke zum Grab von Rosa Luxemburg - doch womöglich liegt der Leichnam der ermordeten Revolutionärin seit Jahrzehnten an ganz anderer Stelle. Nach Informationen von "Spiegel Online" vermuten RechtsmedizinerInnen den Körper in der Berliner Charité.

"Verblüffende Ähnlichkeiten"

Im Fundus der Rechtsmedizin an der Berliner Charité befindet sich eine viele Jahrzehnte alte Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße. Der Chef der Rechtsmedizin, Michael Tsokos, vermutet, dass es sich um den Leichnam der ermordeten Revolutionärin Rosa Luxemburg handelt. Die Tote weise "verblüffende Ähnlichkeiten mit der realen Rosa Luxemburg" auf, sagte Tsokos dem "Spiegel".

Anhand einer Untersuchung des Leichnams im Computertomografen lässt sich demnach nachweisen, dass die Frau zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 40 und 50 Jahre alt war, an Arthrose litt und unterschiedlich lange Beine hatte. Rosa Luxemburg war 47, als sie ermordet wurde. Sie litt unter einer angeborenen Hüftverrenkung und einer daraus resultierenden Beinlängendifferenz.

"Erstaunlich, dass Widersprüche erst jetzt auffallen"

Tsokos bezweifelt, dass die wahre Rosa Luxemburg jemals begraben wurde. Er untermauert diesen Verdacht mit zahlreichen Ungereimtheiten, die er in dem historischen Protokoll der Obduktion Luxemburgs vom Juni 1919 ausgemacht hat. RechtsmedizinerInnen hatten damals einen Leichnam untersucht, der zwar am 13. Juni 1919 als Rosa Luxemburg auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde bestattet wurde - in wesentlichen Punkten aber nicht mit den anatomischen Merkmalen der Sozialistenchefin übereinstimmt, so Tsokos gegenüber dem "Spiegel".

Ausdrücklich hielten die Rechtsmediziner seinerzeit fest, dass die untersuchte Leiche weder einen Hüftschaden noch unterschiedlich lange Beine habe. Vergeblich blieb bei der Obduktion 1919 auch der Versuch, am Kopf der obduzierten Leiche sichere Spuren für Gewehrkolbenschläge auf den Schädel und einen Kopfdurchschuss nachzuweisen. Es sei erstaunlich, dass diese Widersprüche bisher niemandem aufgefallen seien, meint der Berliner Historiker Jörn Schütrumpf.

Rosa Luxemburg war am 15. Jänner 1919 von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division zunächst niedergeschlagen und dann durch einen Schuss in den Kopf getötet worden. Anschließend hatte man ihre Leiche in den Landwehrkanal geworfen. (APA)