London - Dem deutschen Schuhwerfer von Cambridge wird vom kommenden Montag (1. Juni) an der Prozess gemacht. Der 27-jährige Student muss sich dafür verantworten, dass er Chinas Regierungschef Wen Jiabao bei einer Rede in der Universitätsstadt mit einem Schuh beworfen hat. Dem Pathologie-Studenten wird Störung der öffentlichen Ordnung, Beleidigung und Aufruf zur Gewalt vorgeworfen. Der Deutsche, der mit seiner Tat gegen die Menschenrechtspolitik Chinas protestieren wollte, hatte sich bei einer gerichtlichen Voranhörung im Februar als "nicht schuldig" bezeichnet. Seither befindet sich der Mann auf freiem Fuß. Für den Prozess sind drei Verhandlungstage angesetzt.

Der Student hatte am 2. Februar eine Rede Wen Jiabao lautstark unterbrochen und seinen Turnschuh auf den Regierungschef geworfen, ihn aber verfehlt. Die Tat erinnerte an eine ähnliche Attacke auf den früheren US-Präsidenten George W. Bush in Bagdad. "Wie kann sich die Universität für diesen Diktator prostituieren. Wie könnt Ihr den Lügen zuhören, die er erzählt. Steht auf und protestiert", hatte der Mann vor seinem Schuhwurf gerufen.

Eigentlich sollte das Hauptverfahren einen Tag später beginnen. Damit wäre der letzte Verhandlungstag aber auf den 4. Juni gefallen - dem 20. Jahrestag des Massakers vom Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Weil zum Jahrestag der Niederschlagung der Demokratie-Bewegung 1989 stärkere Sicherheitsvorkehrungen nötig gewesen wären, wurde der Prozessbeginn vorgezogen.

Der Student und seine Anwältin Catherine Bradd verweigerten bisher jeden Kommentar. Auch seinen deutschen Geburtsort wollte der junge Mann bisher nicht nennen. Nach dem Zwischenfall hatte der Deutsche die Öffentlichkeit gemieden und war Fragen aus dem Weg gegangen. Der 27-Jährige studiert schon seit mehreren Jahren in Cambridge. Nach Medienberichten droht ihm neben einer Strafe auch der Ausschluss aus der Universität. Er galt bisher als ruhiger fleißiger Student. (APA/dpa)