„Reclaim the street - Hol dir die Straße zurück" ist das Motto, auf das sich alle Teilnehmenden einigen können.

Foto: DER STANDARD/Christian Fischer

„Gegen was seid ihr? Wer ist bei euch der Chef?", fragen verwunderte Passanten jedes Mal. Dass sich hunderte Fahrradfahrer auf Wiens Hauptverkehrsadern ausbreiten, um dort Lärm zu machen und bunt auszusehen, und dabei ganz ohne Anführer, Ideologie und Route auskommen, passt so gar nicht in das Verständnis einer „Demo". Critical Mass nennt sich die Bewegung, die seit 1992 weltweit Städte durchsickert - von Washington bis Wiener Neustadt.

Rauchpause auf Reichsbrücke

Mehr als 500 Radler waren zuletzt in Wien dabei. Einmal im Monat fahren sie dort, wo sie sie sonst verdrängt werden. Sie machen die Stadtautobahn zum Zweirad-Highway, legen eine Rauchpause mitten auf der Reichsbrücke ein, drehen vier Runden im Kreisverkehr. Grüne Ampel hin oder her - Autos müssen warten, bis die Fahrradkolonne weitergezogen ist. „Reclaim the street - Hol dir die Straße zurück" ist das Motto, auf das sich alle Teilnehmenden einigen können. Alles weitere ist private Gesinnung: Manche strampeln für den Klimawandel, andere für ein Wirtschaftssystem, das nicht nur die Stärkeren - die Autos - favorisiert. Und manche wollen einfach nur wissen, wie der Wiener Gürtel ohne Autos aussieht.

Zufälliges Treffen

Nach Österreich kam die „CM" relativ spät: Vor drei Jahren startete sie in Wien, wenig später folgten Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck, Feldkirch. In Wien steht die CM unter Polizeischutz, angemeldet ist sie als quasi zufälliges Aufeinandertreffen hunderter Fahrradfahrer jedoch nicht: „Warum auch", fragt ein CM-Teilnehmer: „Melden Autos Staus an?" (mas, derStandard.at, 12.6.2009)