Daisies (Sedmikrásky) von Vìra Chytilovás

Maria 1 und Maria 2 haben meistens eine gute Zeit: Wenn die beiden Twens nicht im Strandbad erschöpft in der Sonne fläzen, ihr Zimmer abfackeln oder im Nachtklub besoffen aus der Loge kippen, dann lassen sie sich von älteren Herren opulent zum Essen ausführen - und entziehen sich anschließend lachend der erwarteten Gegenleistung. So wild und frech wie die beiden Protagonistinnen durch diese fragmentarisch gehaltenen Mädchenabenteuer toben, so anarchisch ist auch Vìra Chytilovás 1966 veröffentlichter Film Sedmikrásky (Tausendschönchen beziehungsweise Daisies) selbst: Die Regisseurin mixt, in Farbe und Schwarzweiß, Slapstick mit Avantgarde-Techniken, Alltägliches mit Surrealem - das ergibt quasi eine Riesenschweinerei und einen Heidenspaß.

Außerdem ist Sedmikrásky ein Schlüsselwerk des tschechoslowakischen Kinos rund um den Prager Frühling - das fortgesetzte Negieren von Autoritäten und die finale "Einsicht", dass nur nützliche Tätigkeiten wie Aufräumen wirklich glücklich machen, lassen sich unschwer auch politisch lesen. Beim Osteuropa-kino-affinen britischen Label Second Run ist nun eine brandneue DVD-Ausgabe des Films erschienen, die unter anderem eine Dokumentation über Chytilová inkludiert. (Isabella Reicher, DER STANDARD/Printausgabe 18.6.2009)