Brüssel - Die griechische EU-Ratspräsidentschaft will die ursprünglich für morgen, Donnerstag, zum Auftakt des EU-Frühjahrsgipfels geplante Aussprache mit EU-Konventspräsident Valery Giscard d'Estaing über den Stand der Arbeiten an einer europäischen Verfassung auf Mitte April verschieben. Das kündigte der griechische Außenminister Georgios Papandreou am Mittwoch während einer Ratstagung in Brüssel an. Das Treffen soll nun entweder vor oder nach der feierlichen Unterzeichnung des Beitrittsvertrages mit zehn neuen Mitgliedstaaten am 16. April in Athen stattfinden.

Konvent-Arbeiten würden sich dadurch nicht verzögern

Papandreou begründete die Verschiebung mit dem drohenden Irak-Krieg: "Dann haben wir den Kopf frei für den Konvent", sagte er vor der Presse. Dass sich damit die Arbeiten des Konvents bis in den Herbst hinein verzögern könnten, befürchtet die griechische Präsidentschaft nicht. Der Konvent sei unabhängig von Ratsentscheidungen und arbeite autonom, sagte Papandreou. Der Europäische Rat wolle der Versammlung keine Weisungen erteilen.

Unterdessen hat der sich abzeichnende Irak-Krieg zu einer massiven Änderung des Gipfel-Programms geführt. Die für Freitag Nachmittag geplante zweite Arbeitssitzung wurde abgesagt, das Treffen endet nun am Freitag mit den Mittagessen der Staats- und Regierungschefs, der Außen- und der Finanzminister mit ihren Amtskollegen aus den Kandidatenländern. Dafür gibt es bereits am Donnerstag Abend eine Arbeitssitzung zur Irak-Krise.

Einige Regierungschefs könnten fehlen

Allerdings gibt es im EU-Ministerrat Befürchtungen, dass einige Regierungschefs am zweiten Tag, an dem es um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft ("Lissabon-Prozess") gehen sollte, nicht teilnehmen. Unter anderem der britische Premier Tony Blair könnte fehlen, der neue türkische Premier Recep Tayyip Erdogan hat seine Teilnahme bereits abgesagt, heißt es. Regierungschefs lassen EU-Gipfel nur sehr selten aus.

Der Konvent hat sich vorgenommen, seinen Entwurf für eine europäische Verfassung bis zum nächsten regulären EU-Gipfel Mitte Juni unter griechischem Vorsitz auszuarbeiten. Danach müssen die Regierungen der Fünfzehn die endgültigen Entscheidungen treffen. (APA)