Hanoi - Im Vietnam werden zu wenig Mädchen geboren: Auf die Geburt von 112 Buben kommen nur 100 Geburten von Mädchen. Während 1999 ein als fast natürlich angesehenes Geburtenverhältnis von 100 Mädchen zu 107 Buben existierte, ist seit 2006 durch selektive Abtreibung ein immer stärkeres Ungleichgewicht entstanden.

Eine Sprecherin der Behörde für Bevölkerung und Familienplanung erklärte, laut Schätzung würden 2030 rund drei Millionen vietnamesische Männer keine Frau finden, weil es zu wenige geben werde. In China war das Verhältnis der Geburten vor zwanzig Jahren ähnlich. Mittlerweile liege das Ungleichgewicht dort bei 120 Buben zu 100 Mädchen, sagte der stellvertretende Direktor der Behörde für Bevölkerung und Familienplanung im Vietnam, Duong Quoc Trong.

Verbot meist unbeachtet

Viele VietnamesInnen würden männliche Nachkommen bevorzugen, da diese "die Blutlinie fortsetzen". Ein seit 2003 bestehendes Gesetz soll die Abtreibung weiblicher Föten vermindern. Es verbietet den ÄrztInnen, werdenden Eltern das Geschlecht ihres Babys zu verraten. Es wird jedoch meist nicht beachtet. Trong sagte bei einer Pressekonferenz: "Wenn wir keine Maßnahmen dagegen ergreifen, wird es bei uns die gleiche Situation wie in China geben." (APA/AP)