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Düringer und Tramitz beim Dreh.

Foto: Apa video

Seit einer Woche laufen die Dreharbeiten zur ersten ORF-Echtzeit-Sitcom "Die Gipfelzipfler" in der Filmstadt Wien. Christian Tramitz und Roland Düringer in den Hauptrollen spielen die Volksmusikanten Frank und Mick, die zehn Folgen zu je 25 Minuten Zeit haben einen Hit namens "Gute Besserung" zu schreiben, der ihnen den Aufstieg in den Volksmusikhimmel garantieren soll. Voraussichtlich 2010 soll diese "Satire über die Volksmusik", so Düringer beim heutigen Setbesuch, im ORF ausgestrahlt werden. Das Drehbuch von Murmel Clausen ("Der Schuh des Manitu") wird von Harald Sicheritz inszeniert.

Für Düringer ist eines klar: "Volksmusik ist eine gelebte Lüge, ein Ablenkungsmanöver von der Realität, eine Gehirnwäsche." Er selber habe nie viel mit Volksmusik zu tun gehabt, schon in seiner Kindheit habe er sie abgelehnt. Viel recherchiert habe er nicht, bevor er die Rolle antrat, aber persönliche habe er sich des öfteren gefragt, was "diese Leute sich denken, entweder sie meinen wirklich, ich bin ein Riesenstar, oder sie stehen darüber und lassen sich von dem Publikum da unten den nächsten Pool finanzieren." Trotz dem offensichtlichen Potenzial, den dieser Stoff bietet, wundere Düringer sich doch, was Volksmusik an sich habe, dass sich noch nie jemand im größeren Stil darüber lustig gemacht habe.

"Halt was eigenes"

Ganz anders und doch irgendwie ähnlich steht Tramitz zur Volksmusik: Sein Verhältnis ist "ganz entspannt". "Volksmusik ist nicht schlecht, auch volkstümliche Musik ist nicht schlecht, es ist halt was eigenes, und es erfreut sich größter Beliebtheit. Es ist zu einfach zu sagen, das ist alles Schrott." Gerade bei der Volksmusik habe es in den vergangenen Jahren eine große Veränderung gegeben und auch er bleibe durch die "Faszination des Grauens" immer wieder an solchen Shows hängen. Er habe viel recherchiert und auch hinter die Kulissen der Volksmusik geschaut. Dabei habe er auch gemerkt, dass es bei den Sängern "irgendeine Affinität zur Volksmusik geben muss, denn mit reinem Zynismus kann man kein Volksmusikant sein".

Zehnmal 25 Minuten werden von den "Gipfelzipflern" ausgestrahlt - und zwar in Echtzeit. Das Besondere an diesem Format sei, dass jede Minute im Film gleich einer Minute in der Realität sei. Eine kleine Herausforderung sowohl für Schauspieler als auch Kameramänner, so Tramitz heute. Denn man müsse auch Gesprächspausen, wie im echten Leben, spielen und filmen. Vielmehr sei also nicht die Echtzeit das Besondere daran, sondern die dadurch präsentierten Inhalte. Bis zu acht Minuten am Stück werden teilweise gedreht, um den natürlichen Ablauf nicht zu stören. "Da ist es nicht aus, wenn man die Tür zuschlägt, sondern man tritt noch einen Tisch um usw."

Österreichischer Humor

Der gebürtige Münchner und Christiane-Hörbiger-Neffe Tramitz gab heute an, dass es schon einen Grund gäbe, warum die Sitcom in Österreich gedreht werde. Eine Unterscheidung zwischen deutschem und österreichischem Humor könne man so zwar nicht mehr machen, da es mittlerweile regional schon so viele verschiedene gibt. "Speziell der Wiener Humor hat eine eigene Tradition. Er ist wahrscheinlich dem englischen Humor schon viel näher als dem deutschen, da er schwärzer ist, dunkler, tragischer, existenzieller." Am ehesten würde man "Die Gipfelzipfler" noch in Bayern verstehen, glaubt Tramitz, sonst würde es in Deutschland schwierig werden.

Die österreichisch-deutsche Zusammenarbeit von Düringer und Tramitz könnte sich vielleicht schon in der Zukunft fortsetzen. Tramitz hoffe auf eine zweite Staffel von "Die Gipfelzipfler", und auch ein neues, geplantes Projekt namens "Die heilige Dreifaltigkeit", wieder unter der Regie von Harald Sicheritz, soll die beiden zusammen vor der Kamera stehen lassen. (APA)