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Ayatollah Ali Montazeri

Foto: Reuters/Homavandi

Wien - Der als reformorientiert geltende iranische Ayatollah Ali Montazeri hat am Sonntag eine Fatwa, eine religiöse Anweisung herausgegeben, die einer Anklageschrift gegen den Revolutionsführer Ali Khamenei gleicht. Er fordert die Gläubigen dazu auf, gegen das Unrecht, das ihnen widerfahren ist, Widerstand zu leisten. Das berichtet die "Nieman Foundation for Journalism at Harvard" auf ihrer Homepage sowie die deutsche Zeitung "taz".

Ohne den Revolutionsführer beim Namen zu nennen, schreibt Montazeri den Angaben zufolge: Sollte ein Verantwortlicher seine weltlichen und religiösen Pflichten versäumt und das Vertrauen des Volkes missbraucht haben, gelte er automatisch als abgesetzt. Sollte er jedoch versuchen, durch Gewalt, Lug und Trug sich an der Macht zu halten, seien die Gläubigen verpflichtet, mit allen gesetzlich erlaubten Mitteln ihn abzusetzen. Kein Gläubiger dürfe sich, unter welchem Vorwand auch immer, dieser Verpflichtung entziehen.

Ayatollah Montazeri galt nach Revolutionsführer Ayatollah Khomeini als zweitwichtigster Geistlicher der Islamischen Republik. Khomeini hatte ihn zu seinem Nachfolger bestimmt. Doch kurz vor Khomeinis Tod fiel Montazeri in Ungnade, weil er die damaligen Massenhinrichtungen kritisierte. Er musste jahrelang in Hausarrest verbringen. Dennoch genießt er unter den Großayatollahs und in religiösen Kreisen eine hohe Autorität, seine religiösen Anweisungen werden von Millionen Gläubigen befolgt. Seine Fatwa gegen Revolutionsführer Khamenei werde der Protestbewegung ohne Zweifel neuen Schwung verleihen, meinen Beobachter.

Rafsanjani hält Freitagspredigt

Der als Gegner des unter umstrittenen Umständen wiedergewählten iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad geltende Ex-Präsident Ayatollah Akbar Hashemi Rafsanjani wird in dieser Woche, am 17. Juli, die traditionelle Freitagspredigt in Teheran halten. Das berichtete der staatliche iranische Sender Press TV am Montag auf seiner Homepage unter Berufung auf die halbamtliche Nachrichtenagentur ILNA.

Die wöchentlichen Freitagspredigen sind ein wichtiges öffentliches Ereignis in der Islamischen Republik. In den vergangenen vier Wochen nach der Präsidentenwahl am 12. Juni wurden die Freitagspredigten von Hardlinern wie dem Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei, Ayatollah Ahmad Khatami, Ayatollah Ahmad Jannati und Ayatollah Mohammad Emami Kashani gehalten. Deshalb wird der Auftritt des einflussreichen Pragmatikers Rafsanjani im Iran mit Spannung erwartet.

Letztes Wort

Rafsanjani ist der Vorsitzende des Vermittlungsausschusses und der Expertenversammlung, die den Obersten Führer der Islamischen Republik wählt und auch absetzen kann. Der Vermittlungsausschuss ist ein beratendes Gremium von Revolutionsführer Khamenei und hat das letzte Wort bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parlament und dem mächtigen Wächterrat. Zudem hat hat er das Mandat, alle Bereiche der Regierung zu überwachen.

Wie Press TV weiter meldete, will der nach offiziellen Angaben unterlegene Präsidentschaftskandidat Mir-Hossein Moussavi eine eigene Partei gründen und zwar noch vor der Angelobung von "Wahlsieger" Ahmadinejad. Der Sender nennt kein Datum, wann genau Ahmadinejad in sein Amt eingeführt wird. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll dies zwischen 26. Juli und 19. August erfolgen. Für seine neue Partei erhielt Moussavi von dem einflussreichen Politiker Habibollah Asgaroladi, einem Führungsmitglieder der Islamischen Koalitionspartei, am Montag Unterstützung. (APA)