Ahmadi-Nejad bleibt im Iran an der Macht, Kim Jong-il hat sein Land zur Atommacht gemacht und denkt nicht mehr an Verhandlungen. Was nun?

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Links ist eine Sackgasse, rechts ein verschlossenes Tor. Die Atomprogramme Nordkoreas und des Iran hat die internationale Staatengemeinschaft nicht aufhalten können. Mehr noch: Die diplomatischen Verhandlungen mit Pjöngjang und Teheran sind halbtot oder ganz gescheitert.

"Ich habe es satt, ein Pferd zweimal zu kaufen" , sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates über die Sechs-Parteien-Gespräche mit Nordkorea, die nach fünf Jahren mühseliger Verhandlungen nur einen zweiten Atomtest erbrachten und eine Serie von Raketentests, deren Ende nicht absehbar ist. Es werde keine Gespräche mehr mit den EU-3 (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) über die Urananreicherung geben, kündigte seinerseits Mahmud Ahmadi-Nejad schon während des Präsidentschaftswahlkampfs an. Der iranische Staatschef bleibt an der Macht, auch wenn das Land eine seit der Revolution von 1979 beispiellose Regimekrise durchmacht. Seinen Gesprächspartner in Teheran kann sich der Westen nicht aussuchen.

Der militärstrategische Unterschied zwischen Nordkorea und dem Iran ist erheblich: Pjöngjang dürfte spaltbares Material für zwei bis neun nukleare Sprengsätze besitzen und hat bereits zweimal - im Oktober 2006 und im Mai dieses Jahres - eine Atombombe gezündet. Der Iran reichert derzeit unter Verletzung einer Reihe von UN-Resolutionen Uran zu weniger als fünf Prozent an; waffenfähiges Uran muss zu etwa 90 Prozent angereichert sein. Spekulationen über die iranische Atombombe schießen ins Kraut: Das deutsche Magazin Stern zitierte am Mittwoch einen Vertreter des Bundesnachrichtendienstes, wonach die Behörde glaube, der Iran könne innerhalb von sechs Monaten die erste Atombombe zünden. Am Nachmittag dementierte ein Sprecher des BND den Bericht: "Wir sprechen über mehrere Jahre, nicht mehrere Monate."

Im Fall von Nordkorea wird in Tagen gezählt. Bis kommenden Sonntag, so gab ein südkoreanischer Diplomat der Nachrichtenagentur AP gegenüber an, soll der UN-Sicherheitsrat die Liste der nordkoreanischen Funktionäre aufgestellt haben, die nun gezielt Adressaten der internationalen Strafmaßnahmen sind. Ihr Auslandsvermögen soll eingefroren, Reisen sollen unmöglich gemacht werden. Neue Kriegsdrohungen aus Pjöngjang sind dann absehbar, denn Finanzsanktionen treffen das Regime in Pjöngjang empfindlich.

Schon mit der Irrfahrt der "Kang Nam1", die Ende Juni offenbar in Richtung Burma auslief, dann abdrehte und nun wieder nach Nordkorea zurückgekehrt ist, lieferten sich Pjöngjang und Washington ein wochenlanges Katz-und-Maus-Spiel. Die neue UN-Resolution schreibt Inspektionen verdächtiger nordkoreanischer Schiffe vor; auf ihnen könnten Raketenteile transportiert werden. Die US-Marine verfolgte die "Kang Nam 1", sah aber von einer Inspektion ab: Die USA hätten sich nur blamiert, wäre der Frachtraum leer gewesen. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 16.7.2009)