Teheran/Wien - Im Iran hat ein hochrangiger Geistlicher, Groß-Ayatollah Nasser Makarem-Shirazi, deutliche Kritik an den staatlichen Medien geübt. Insbesondere prangerte er die "aggressive Sprache" des Staatsfernsehens IRIB gegenüber den Demonstranten an, die gegen die offiziell verkündete Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad protestiert hatten, meldete der iranische Sender Press TV auf seiner Homepage.

In seiner Berichterstattung über die Proteste nach der umstrittenen Präsidentenwahl am 12. Juni hatte IRIB die Demonstranten als "Unruhestifter" bezeichnet. Die Opposition hatte dem Staatsfernsehen wiederholt einseitige Darstellung der Protestkundgebungen vorgeworfen. Bei einem Treffen mit Führungskräften der halbamtlichen Nachrichtenagentur FARS am Donnerstag forderte Ayatollah Makarem-Shirazi, die "Sprache der Freundschaft und des Mitgefühls" zu gebrauchen, um zur Aufrechterhaltung der Sicherheit im Lande beizutragen.

Zensur

Der offiziell unterlegene Präsidentschaftskandidat Mir-Hossein Moussavi hatte vor kurzem IRIB vorgeworfen, seine Stellungnahme nach der aufsehenerregenden Freitagspredigt des Ahmadinejad-Krikers und Ex-Präsidenten Ayatollah Akbar Hashemi Rafsanjani auf vorher nicht gekannte Art und Weise zensuriert zu haben. Warum dürften jene, die Einwände vorbrächten, nicht zu ihrer eigenen Verteidigung sprechen, hatte Moussavi laut Press TV gefragt.

Unterdessen berichtete die Exil-Oppositionsbewegung "Nationaler Widerstandsrat Iran" (NWRI), dass im Iran verhaftete Anwälte gefoltert und unter Druck gesetzt würden, um falsche Geständnisse abzulegen. In einer am Freitag veröffentlichten Aussendung nannte der NWRI in diesem Zusammenhang die Juristen Mohammad Ali Dadkhah und Abfulfatah Soltani.

"In einer gut bekannten Taktik des Ministeriums für Geheimdienste und Sicherheit (MOIS) wurde Herr Dadkhah des Drogen- und Waffenbesitzes in seinem Büro beschuldigt", heißt es in der Aussendung. Die Behörde habe es abgelehnt, jegliche Information über seinen Aufenthaltsort oder Zustand trotz ständiger Nachfragen seiner Familie zu veröffentlichen.

Soltani sei nach dem Ausfüllen von Beschwerdeschreiben an die Teheraner Staatsanwaltschaft verhaftet worden. Ihm seien "Aktionen gegen die nationale Sicherheit und Verbreitung von Zweifeln an den Wahlergebnissen" vorgeworfen worden. Er sei nach zweiwöchigem Verhör in die berüchtigte Zelle 209 des Evin Gefängnis verlegt worden. (APA)