Bagdad - Die irakische Regierung hat am Donnerstag eingeräumt, dass bei der Erstürmung von Camp Ashraf im Norden von Bagdad am Dienstag sechs Menschen getötet wurden. Nach Aussage der betroffenen iranischen Oppositionsgruppe Volksmujahedin (PMOI) waren es sieben. Ein irakischer Regierungssprecher sagte, die irakischen Sicherheitskräfte hätten nun wie geplant ihre Posten im Lager bezogen. Die Volksmujahedin hatten sich geweigert, die Iraker ins Lager zu lassen, worauf diese Camp Ashraf stürmten. Die Iraner berichteten von großer Brutalität, was von Bildern belegt wird.

Die irakischen Behörden begleichen alte Rechnungen: Die Volksmujahedin sind beim politischen Establishment des Irak großteils verhasst, weil sie unter dem Schutz von Diktator Saddam Hussein standen, der sie - nicht unähnlich den USA nach 2003 - gegen das Regime im Iran instrumentalisierte.

Das Lager Ashraf, in dem heute etwa 3500 Iraner leben, wurde 1986 gegründet. Auf Betreiben der USA und zum Unwillen der neuen politischen Klasse im Irak konnten die Volksmujahedin nach dem Sturz Saddams 2003 im Land bleiben. Ashraf stand unter Kontrolle der Multinationalen Truppen. Mit dem Ablauf des Uno-Mandats Ende 2008 kam es unter irakische Autorität.

Weiteres Schicksal unklar

Die PMOI sind eine islamistische, streng hierarchische Kaderorganisation mit sektenähnlichen Zügen; international treten sie unter dem Namen ihres Dachverbands „Nationaler Widerstandsrat" (NRWI) auf. Die jetzige Oppositionsbewegung im Iran hat mit ihnen nichts zu tun.

Aber auch Kreise, die keine Sympathien für die Volksmujahedin hegen, zeigen sich zunehmend besorgt, dass die irakischen Behörden bei ihrem Vorgehen nicht die minimalen menschenrechtlichen Standards einhalten. Völlig ungeklärt ist, was nun mit den 3500 Menschen - darunter Alte, Frauen und Kinder - geschehen soll. Der Irak will sie loswerden, eine Überstellung an den Iran wäre humanitär nicht vertretbar, und kein anderes Land will sie. (guha, DER STANDARD, Printausgabe, 31.7.2009)