Berlin/Sanaa - Die Angehörigen der im Jemen verschleppten Familie aus Sachsen haben die Auskünfte der Bundesregierung kritisiert. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes informiere die Angehörigen nur sporadisch, neue Erkenntnisse würde sie zuerst aus den Medien erfahren, sagte der Schwager des entführten Familienvaters, Reinhard Pötschke, am Samstag der Deutschen Presse- Agentur dpa. Nach einen Appell im arabischen Fernsehsender Al-Jazeera vor vier Wochen habe es keine Reaktionen gegeben.

Das Schicksal der fünfköpfigen Familie aus dem Landkreis Bautzen ist fast zwei Monate nach ihrer Entführung immer noch völlig ungewiss. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich nach Angaben eines Ministeriumssprechers vom Samstag weiterhin "intensiv" um eine Lösung. "Wir sind nach wie vor in großer Sorge." Am Freitag hatten sich nach Angaben der jemenitischen Nachrichtenagentur Saba deutsche Ermittler in der Hauptstadt Sanaa um Aufklärung bemüht. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Keine Bekenner

Bei den Gesprächen der deutschen Ermittler mit zwei jemenitischen Ministern waren auch britische Fachleute dabei. Die Familie war am 12. Juni zusammen mit einem Briten sowie zwei deutschen Frauen und einer Koreanerin in der Provinz Saada im Nordwesten des Jemen entführt worden. Drei Tage später wurden die Leichen der beiden jungen Frauen aus Niedersachsen sowie der Koreanerin entdeckt. Noch hat sich zu Ermordung und Entführung niemand bekannt. Bisher gingen die meisten Geiselnahmen im Jemen glimpflich aus.

Die Angehörigen müssten weiter mit der Ungewissheit leben, sagte Pötschke weiter. "Wir haben als Familie keine Normalität." Die fast 80 Jahre alten Eltern des Mannes hatten die Entführer aufgefordert, ihren Sohn, dessen Ehefrau und seine drei Kinder freizulassen. Der arabische Fernsehsender sei auf Initiative der Familie nach Sachsen geholt worden, um die Forderung der Eltern aufzuzeichnen. (APA/dpa)