Die Debatte um die Einführung von Bezahlinhalten auf den Online-Auftritten von Printpublikationen gewinnt zunehmend an Fahrt. Nachdem erst in der vergangenen Woche der australische Medienmogul Rupert Murdoch angekündigt hatte, bis zum Sommer nächsten Jahres einen kostenpflichtigen Zugang auf den Nachrichtenwebseiten der Titel seiner News Corporation einführen zu wollen, ist die entsprechende Thematik nun offensichtlich auch in der deutschen Medienlandschaft angekommen. So hat Mathias Döpfner, Chef des Axel-Springer-Verlages, im Zuge des Geschäftsberichts für das erste Halbjahr 2009 wissen lassen, dass die kostenlosen Inhalte der hauseigenen Publikationen schrittweise zurückgedreht werden sollen. Unterstützung bei der Umstellung auf ein sogenanntes "Paid Content"-Modell erhält Döpfner dabei vom Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe Bodo Hombach. Dieser sieht darin sogar die "wichtigste medienpolitische Initiative seit Jahrzehnten" und wünscht sich, "dass die Verbände die Diskussion darüber, wie Qualitätsjournalismus auch im Online-Bereich refinanziert und damit erhalten werden kann, aufgreifen".

"Auf jeden Fall wird auch in Deutschland bereits darüber nachgedacht, ein Bezahlmodell für Online-Inhalte von Printprodukten einzuführen. Vermutlich werden es die großen Verlage sein, die in dieser Hinsicht die ersten Schritte setzen werden. Doch ganz egal, wer hier vorprescht, er muss zunächst einmal ein tragfähiges Konzept für Paid Content im Web vorlegen", erklärt Holger Kansky, Multimedia-Referent beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), im Gespräch mit pressetext. Gerade in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Härtephase könne es sich nämlich niemand aus der Branche leisten, mit derartigen Experimenten Misserfolge einzufahren. "Ich glaube aber nicht, dass die Einführung einer Kostenpflicht die alleinige Lösung für die Refinanzierung der Online-Inhalte darstellen wird. Das Bezahlkonzept muss viel eher als eine sinnvolle Ergänzung zur Werbefinanzierung gesehen werden", betont Kansky.

Größtes Problem der Paid-Content-Verfechter bleibt allerdings die Frage, wie die Online-Leserschaft auf die Umsetzung derartiger Pläne reagieren wird. Bislang ist innerhalb der Zeitungsbranche eher die Auffassung verbreitet, dass die Nutzer nicht bereit dazu wären, für Nachrichteninhalte im Internet die eigene Brieftasche zu öffnen. "Anders als bei der mobilen Webnutzung sind die Menschen im stationären Internet kostenlose Zugänge gewohnt. Eine Umstellung auf ein Bezahlmodell halte ich daher für nur sehr schwer umsetzbar", meint Kansky. Wer sich hier für die Kostenpflicht entscheide, müsse das Riskio in Kauf nehmen, dass die eigene Leserschaft zu anderen Gratis-Angeboten im Netz abwandert. "Das Bezahlkonzept kann nur mit neuem, exklusivem Material funktionieren, das dem Leser zusätzlich angeboten wird und ihm einen gewissen Mehrwert bietet", ist Kansky überzeugt. Dass die Umstellung möglichst behutsam und Schritt für Schritt erfolgen sollte, sei ohnehin klar. "Ich gehe davon aus, dass spätestens im nächsten Jahr Zeitungsverlage mit Bezahlinhalten im Web starten werden", so Kansyk abschließend. (pte)