Sanaa - Tausende Zivilisten sind im Nordwesten des Jemen nach Ausbruch neuer Kämpfe zwischen der Regierungsarmee und schiitischen Rebellen auf der Flucht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sei um ihre Sicherheit besorgt, teilte die Organisation am Sonntag in der Hauptstadt Sanaa mit. Dies gelte vor allem für jene Flüchtlinge, die in Lagern nahe der Kampfzonen in der Provinz Saada untergekommen sind. Das IKRK appellierte an die Kampfparteien, "alles zu unternehmen, um das Leben und Eigentum von Zivilisten zu verschonen".

Die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den sogenannten Houthi-Rebellen gingen am Sonntag ungebremst weiter. Augenzeugen berichteten, dass jemenitische Kampfflugzeuge vermutete Rebellen-Stellungen in den Bezirken Haidan und Sakain bombardierten. In der Umgebung von Malahid, wo sich Aufständische verschanzt haben, leiteten Luftangriffe das Vorrücken der Regierungsarmee ein. Bei den Gefechten kamen offenbar Dutzende ums Leben. Angaben der Aufständischen, denenzufolge neun Soldaten getötet wurden, wurden von der Armee nicht kommentiert.

Machtkämpfe

Führer der schiitischen Rebellen in dem zum Großteil von Sunniten bevölkerten Jemen ist Abdul-Malik al-Houthi, der im September 2004 seinem von der Armee getöteten Bruder Hussein al-Houthi nachgefolgt war. Er hatte sich selbst zum "Amir al-Muminin" (Führer der Gläubigen) ausgerufen. Die Regierung wirft ihm unter anderem vor, bewaffnete Proteste gegen die USA und Israel zu organisieren. 2004 hatte die Armee in wochenlangen Kämpfen in der Provinz Saada einen Aufstand niedergeschlagen. Hunderte Menschen wurden dabei getötet. Die Rebellen kämpfen für die Wiedereinsetzung der saiditischen Herrscherdynastie im Jemen, die 1962 durch einen Militärputsch gestürzt worden war. (APA/AFP)