Zeit seines Lebens hatte der exzentrische New Yorker Künstler Robert Mapplethorpe beständig nach der perfekten Form gesucht, gleich, ob es sich um Akte, Porträts oder Pflanzen handelte. In der Idealisierung des menschlichen Körpers bezieht sich Mapplethorpe in seinen ausschließlich schwarz-weiß gehaltenen Fotos, kunsthistorisch relevant, auf Michelangelo sowie Alte Meister und Renaissancekünstler.

Die Kunsthistoriker Franca Falletti und Jonathan Nelson untersuchten Mapple-thorpes strenge Kompositionen, dessen Ikonisierung des nackten menschlichen Körpers. Interessant sind die Übereinstimmungen und Divergenzen bei den streng formal gehaltenen Studien, der Darstellung der steinernen und humanen Torsi. Schwarz-Weiß-Fotos von einerseits Renaissance-Statuen, andererseits idealisierten Körperstudien Bodybuilding-gestählter Körper erhellen die Ästhetik des Künstlers. Licht und Schatten, geometrische Fragmente, Repetitionen, Formalismen wie Duplizierungen und skulpturale Kompositionen sind, obgleich Jahrhunderte entfernt, von klassischer Tradition geprägt. Sowohl die persönlichen verbalen als auch nonverbalen autoerotischen, von Homoerotik und bizarren SM-Szenarien geprägten fotografischen Statements berühren auch heute unsere von Körperkult definierten Perspektiven in kunsthistorischer wie auch ästhetischer Sichtweise nachhaltig. (Gregor Auenhammer, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 22./23.08.2009)