Es ist ein heißer Tag. Auf der Donauinsel steigt das Thermometer auf über 30 Grad. Herr Maurer trägt trotzdem ein T-Shirt. Immerhin ist er mit seiner Frau unterwegs. Herr und Frau Maurer sind ineinander verliebt wie am ersten Tag. Deswegen will Herr Maurer seiner Frau auch imponieren. Zum einen mit der sportlichen Mode, zum anderen durch Kunststücke wie freihändiges Fahren. Leider braucht das soviel seiner Konzentration, dass er nicht mehr so recht zum Treten kommt und ihm sogar seine geliebte Gattin davonfährt. Aber sollte er stürzen, hat er ja das Erste-Hilfe-Kastl in seiner Packtasche.

Foto: gluschitsch.com

Herr Wender hat zwar die gleiche Lenkstangentasche, aber zumindest in einer anderen Farbe. Herr Wender hat keine Frau. Schon seit neun Jahren nicht mehr. Sie hat sich scheiden lassen, sagt er. In Wirklichkeit ist sie einfach mit dem einst gemeinsamen Kleinwagen und einstigen gemeinsamen Freund, dem Herrn Franz, losgefahren. Das hat nun den Vorteil, dass sich Herr Wender an so heißen Tagen nicht um seine Oberbekleidung kümmern muss. Und für den Fall, dass der einstige Freund dem Herrn Wender noch einmal in den Rücken fallen wollte, hat er sich einen Rückspiegel auf sein Fahrrad montiert.

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Der Herr Franz braucht sich auch nicht um ein Hemd kümmern. Die Frau Wender ist mit seinem letzten nämlich schon wieder dahin. Das hat auch so seine Folgen. Der Herr Franz kriegt immer so komische Gefühle, wenn er seinen Fahrradlenker in die Hand nimmt. Und unwillkürlich spannen sich seine Muskeln an, und er würgt seine Griffe. Weil die aber gleichzeitig zum Wechseln der Gänge dienen, knattert der Herr Franz jetzt wieder öfter. Wenn auch nur am Fahrrad. Damit er sich nicht allzu erregt, hat er sich mit seinem letzten Taschengeld einen Radio für den Lenker gekauft. Da dudeln jetzt die Amigos Weisheiten über den Sternenhimmel heraus...

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Frau Wender ist auch auf der Insel unterwegs und denkt an ihren Mann und ihren ehemaligen Liebhaber. Besonders gut denkt sie über die beiden nicht. Aber deswegen fährt sie ja mit dem Rad. Damit sie ein bisserl eine Ablenkung hat. Und Frau Wenders wird dann schwimmen gehen. Ja, stimmt, sie hat kein Badetuch im Korb; sondern nur ein Schloss, um wahrscheinlich das Fahrrad abzuschließen, wenn sie einen Herrn findet, der ein aufregendes Badetuch hat.

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Frau Herder hat ein eigenes Badetuch. Sie hat es jetzt, nach dem Schwimmen, in der Tasche verstaut. Heute war Frau Herder fleißig und ist wirklich viel geschwommen. So viel, dass ihr jetzt die Beine wehtun. Ein paar hundert Meter ist sie mit dem Fahrrad gefahren, aber das hat keinen Spaß gemacht, mit dem Brennen in den Beinen. Aber so weit nach Hause hat es Frau Herder eh nicht. Das Stückerl kann sie auch schieben.

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Geschoben hat Paul sein Rad nimmer, nachdem ihn letzte Woche ein Seitenspiegel, der an einem Auto hing, am kleinen Finger streifte. Glaubt man gar nicht, wie oft man sich so einen Finger brechen kann. Jetzt ist Paul ein wenig vorsichtiger. Nein, nicht dass er einen Helm trägt, aber er wickelt sein Badetuch nun um den Lenker. Für den Fall, dass er einmal einen Auffahrunfall hat.

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Herr Truller trägt einen Helm. Aber nicht nur einen öden, faden Fahrradhelm. Die schützen nämlich nur, wenn man stürzt und dabei auf den Kopf fällt. Das ist dem Herrn Truller zu wenig. Sein Helm schützt, wenn er stürzt, nicht nur den Kopf, sondern auch sein Kinn. Und das Beste an dem Helm: Auch wenn Herr Truller nicht stürzt, hat er keine Fliegen mehr zwischen den Zähnen.

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Es sind nicht die Zähne, die uns Herr Knesser auf seinem Mini-Rad zeigt. Gar nicht Mini ist das Badetuch, das er im Körberl mit sich führt. Es ist locker groß genug für ihn und eine ihm noch unbekannte Dame. Und sicher wird Herr Knesser wieder nicht alleine zum Abkühlen ins Wasser steigen. Es ist ja auch so heiß heute, auf der Donauinsel... (Guido Gluschitsch, Foto: www.gluschitsch.com)

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