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Das Parlament in Teheran bestätigte am Donnerstag die erste Ministerin des Iran seit der Islamischen Revolution. 50-jährige Marzieh Vahid Dastjerdi wird das Gesundheitsressort leiten.

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Der neue Verteidigungsminister Ahmad Vahidi im Parlament: Gegen ihn läuft ein internationaler Haftbefehl.

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Der umstrittene iranische Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad brachte am Donnerstag 18 von seinen 21 Ministerkandidaten durchs Parlament. Darunter ist die erste Ministerin der Islamischen Republik.

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Teheran/Wien - Mit drei durchgefallenen Ministern von 21 ist es Irans Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad am Donnerstag im Parlament in Teheran besser ergangen als mit seinem ersten Kabinett vor vier Jahren (damals gab es vier Ablehnungen). Allerdings hat der religiöse Führer des Iran diesmal indirekt eingegriffen: Im Parlament zirkulierte ein Papier, aus dem eine Empfehlung Ali Khameneis für die Auswahl Ahmadi-Nejads abzulesen war. Ab da ging alles flott vonstatten.

Die Durchgefallenen sind Mohammed Ali-Abadi, ein früherer Vizepräsident, der Ahmadi-Nejad persönlich nahesteht. Aus seiner Karriere als iranischer Sportchef konnten die Parlamentarier keine ausreichende Qualifikation für einen Energieminister ablesen. Der ebenfalls umstrittene Masud Mir-Kazemi kam hingegen als Ölminister durch.

Aber es erwischte zwei von drei vorgeschlagenen Frauen. Allerdings wird spekuliert, dass Ahmadi-Nejad ihre Ablehnung schon einkalkuliert und sie nur aus optischen Gründen nominiert hatte, um jetzt leichter zwei seiner Spezis auf die Posten zu hieven. Immerhin hat jedoch nun die Islamische Republik Iran ihre erste Ministerin: die Ärztin Marzieh Vahid-Dastjerdi im Gesundheitsressort.

Im Ausland am kritischsten wahrgenommen wird der neue Verteidigungsminister Ahmad Vahidi, gegen den ein Interpol-Haftbefehl läuft wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung am Anschlag auf das jüdische Zentrum in Buenos Aires im Jahr 1994, bei dem 85 Menschen getötet wurden. Der Aufschrei der internationalen Gemeinschaft wirkte wie eine Empfehlung: Er bekam am meisten Stimmen von allen Kandidaten.

Innenpolitisch am umstrittensten sind hingegen der neue Innenminister Mostafa Najjar - einen Militär auf diesem Posten sehen viele als Hinweis auf eine Militarisierung - und Wissenschaftsminister Kamran Daneshjou: Er hat die Präsidentschaftswahlen organisiert. Ihn ausgerechnet den Studenten, die die Proteste getragen haben, vorzusetzen wird als Zynismus empfunden. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.9.2009)