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Beim Gorilla-Sex ist mehr im Gang als bloße Anziehung - nicht jede(r) behält da den Durchblick.

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New York - Von unseren allernächsten Verwandten - Schimpansen und Bonobos - ist schon länger bekannt, dass Sex für sie eine politische Komponente hat. Bonobos pflegen ihn in allen Spielarten, um Stress abzubauen und die Bindungen innerhalb der Gruppe zu stärken. Und im etwas aggressiveren Schimpansen-Umfeld paaren sich Weibchen auch außerhalb der Brunft oder sogar während der Schwangerschaft, um Verbündete zu gewinnen - nicht zuletzt auch um zu verhindern, dass ihre Jungen getötet werden: Promiskuität wiegt jedes Männchen in dem Irrglauben, es könnte der Vater sein.

Von unseren ein Stückchen ferneren und vermeintlich schlichteren Verwandten, den Gorillas, war derartiges Verhalten bislang nicht bekannt. Forschungsergebnisse eines Primatologen-Teams um Diane Doran-Sheehy von der Stony Brook University in New York werfen nun ein anderes Licht auf den Sachverhalt. Denn auch Gorillaweibchen sind nicht hilfloser Spielball ihres Fortpflanzungstriebs, sondern setzen Sex ganz bewusst ein: Und zwar um Rivalinnen auszubooten.

Gruppensoziologie

Doran-Sheehy und ihre Kollegen beobachteten eine wildlebende Gruppe Westlicher Flachlandgorillas (lateinische Bezeichnung: Gorilla gorilla gorilla) über einen Zeitraum von über drei Jahren hinweg, wie der "New Scientist" berichtet. Diese Gruppe, bestehend aus fünf Weibchen und einem Silberrücken, lebt im Gebiet des Mondika Research Centre in der Republik Kongo und ist an die Präsenz menschlicher Beobachter gewöhnt. So konnten die Forscher im Verlauf von 1147 Tagen nicht nur alle Geburten, sondern auch alle Kopulationen mitverfolgen.

In einer Gruppe, die nur aus einem einzigen erwachsenen Männchen und seinem Harem besteht, spielen die männlichen Bedürfnisse - auch wenn es widersprüchlich klingt - die untergeordnete Rolle; schließlich kann sich das Männchen seiner Vaterschaft stets sicher sein. Der eigentliche Konkurrenzkampf findet hier zwischen den Weibchen statt: Da die Gruppengröße nicht beliebig anwachsen kann, versucht sich jedes Weibchen einen möglichst hohen Platz in der Rangordnung zu sichern, um in der Gruppe bleiben zu können. Sexuelle Bereitschaft ist dazu ein probates Mittel - selbst wenn sie nicht Fortpflanzungszwecken dienen kann.

Das Timing ist entscheidend

Alle Weibchen der Gruppe wurden dabei beobachtet, wie sie auch nach einer Empfängnis mit dem Männchen kopulierten - interessant war dabei das Timing: Aktiv wurden sie dann, wenn ein anderes Weibchen in die Brunft kam. Besonders erfolgreich ging dabei das Weibchen "MK" vor, das sich in schwangerem Zustand während dreier aufeinander folgender fruchtbarer Perioden ihrer Konkurrentin "EB" mit dem Silberrücken paarte. Dem Männchen war es offensichtlich egal, ob seine Partnerin empfängnisbereit war oder nicht - laut Doran-Sheehy spielte für ihn eher der Status des Weibchens in der Gruppe die entscheidende Rolle. Und den konnte "MK" durch ihre Taktik halten und ausbauen.

Das Ende vom Lied: "EB" verließ die Gruppe und entschwand als sexuell frustriertes Lonesome Cowgirl am Horizont. Und mit sofortiger Wirkung stellte "MK" alle sexuellen Aktivitäten ein. (red)