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Biologische Lebensmittel schützen das Klima, belegt eine neue Studie im Auftrag der AMA. Viele Konsumenten lassen sich davon heuer dennoch nicht überzeugen. Sie steigen lieber auf konventionell erzeugte Produkte um.

Foto: APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Die Krise unterbricht den Höhenflug des Biomarktes. Die Zeiten zweistelligen Wachstums sind vorbei. Die Rohstoffpreise sind im Keller, viel Biomilch fließt in konventionelle Kanäle. Handelsmarken stellen Bio in den Schatten.

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Wien - Die österreichische Biobranche zehrt heuer nur mehr von den Früchten der Vergangenheit. Der schwache Konsum und Trend zum Sparen dünnt den Markt aus, Bio zieht im Duell mit konventionellen Produkten vielfach den kürzeren. Diesen Effekt federt auch der stärkere Einstieg des Diskonters Hofer ins Geschäft nur begrenzt ab.

Die Situation am Markt sei angespannt, meint Stephan Mikinovic, Chef der Agrarmarkt Austria. Verantwortlich dafür sei vor allem die wachsende Preisschere zwischen konventionellen und biologischen Produkten in den Regalen des Handels. Rohstoffpreise sind im Sinkflug, während sich Biobauern nach wie vor mit hohen Produktionskosten konfrontiert sehen. Die Supermärkte rühren für ihre Billigmarken die Werbetrommel. Teurere Labels und damit auch Bioprodukte stehen in ihrem Schatten.

Wachsende Überschüsse

In der Bredouille sieht sich vor allem die Molkereiwirtschaft. Der Absatz von Biomilch ist heuer um bis zu zehn Prozent eingebrochen, rechnet Mikinovic vor. Überschüsse gibt es bereits seit dem Vorjahr. Vieles fließt daher mittlerweile in konventionelle Absatzkanäle.

Unterm Strich erwartet die AMA bis Jahresende ein Wachstum des Biomarkts in Österreich von fünf bis sechs Prozent. In den Jahren zuvor waren Absatzsprünge von weit über 20 Prozent die Regel. Rudolf Vierbauch, Obmann der Bio Austria, die die Biobauern unter sich vereint, will kein zu düsteres Bild malen. Dass die Krise auch in der Lebensmittelbranche Spuren hinterlasse, sei unausweichlich. Doch sie treffe die österreichische Biobranche nicht mit voller Härte. Anders als den konventionelle Landbau: Dieser biete derzeit nämlich überhaupt keine Perspektiven, sagt Vierbauch. Der Stolperstein für die Biobranche sei, dass sich ihre Preise nicht von konventionellen entkoppeln lassen könnten. "Es ist eine Schicksalsgemeinschaft, die uns alle unter Druck bringt."

Österreich zählt 20.500 Biobetriebe. Der Anteil der Biolandflächen soll bis 2010 von aktuell rund 16 auf 20 Prozent wachsen, so das Ziel der Regierung. Das derzeitige Marktumfeld erleichtere das nicht gerade, sagt Vierbauch. Die Gefahr sei groß, dass sich Betriebe vor allem aus den sensiblen kostenintensiven Bergregionen stärker denn je zurückziehen.

Die Biobranche versucht unter dem Dach der AMA zusätzliche Absatzwege zu erschließen. Junge Mütter sollen als Zielgruppe gewonnen werden, auch die Gastronomie ist im Visier. Sie hat Bio bisher kaum auf der Speisekarte.

Für Wolfgang Pirklhuber, Landwirtschaftssprecher der Grünen, sind das alles Tropfen auf dem heißen Stein. An entscheidender Seite werde der Biolandbau in Österreich gebremst, sagt er. Etwa dadurch, dass Bauern, die ab Mitte Oktober auf Bio umsatteln wollen, bis 2013 keine Förderungen mehr zu erwarten haben. Echten Anlass zu Jammern sieht er in der Biobranche nicht. Der Lebensmittelhandel baue die Sparte schließlich nach wie vor aus. "Viele kleine Betriebe steigen in den Markt ein."

Milch gegen Red Bull

Die Turbulenzen seien vielmehr auf die generelle Rohstoffmisere zurückzuführen. Die Preise seien weltweit im Keller, ein Landwirt müsse derzeit etwa 16 Liter Milch produzieren, um sich einen Liter Red Bull leisten zu können.

Eine neue Studie im Auftrag der AMA untermauert die Effekte biologischer Landwirtschaft: Die CO2-Emissionen in der pflanzlichen und tierischen Bioproduktion seien durch den geringeren Einsatz von Stickstoff um 30 bis 66 Prozent geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. Der geringere Nitrateinsatz schütze Gewässer. Weniger Pestizide sorgten für eine geringere Belastung von Atmosphäre, Regen- und Grundwasser.

Mikinovic rechnet mit einer Erholung des Marktes ab 2010. In der Bioproduktion sei künftig jedoch mehr Spezialisierung gefragt. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.9.2009)