Kommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Charlie (Thure Lindhardt).

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"Ich mag den Herbst", sagt Tatort-Kommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) gleich zu Beginn des sonntäglichen ARD-Tatorts. Natürlich peitscht der Regen dazu heftig ans Kantinenfenster. Im Frankfurter Tatort ist es ja meist recht frostig, diesmal aber besonders.
Eine junge, erfolgreiche Architektin ist zuerst verschwunden, dann auch noch tot. Egal ist das niemandem.

Die einen sind verzweifelt, die anderen heilfroh. Die Mördersuche erfolgt ohne wenig Überraschungen, es ist um 20.45 Uhr schon klar, was um 21 Uhr passiert.
Und trotzdem wird es immer kälter. Es gibt nicht einen Erwachsenen, der auch nur ansatzweise zufrieden wäre. Die Chefin (Nina Petri) ist in das Mordopfer verliebt, darunter leiden alle: ihre eigene Familie, der Freund und auch der Kollege der Ermordeten. Auch eine Journalistin und eine Star-Köchin stehen wahnsinnig unter Druck, es muss offenbar jeder erfolgreich sein in Frankfurt, die wie keine andere Stadt Deutschlands für das Geldverdienen steht.

Ganz schlecht kommen dabei Männer weg: Der Stricher kokst und heult, der ewig benachteiligte Untergebene stöhnt der Chefin anonym ins Telefon. "Ich hatte das Gefühl, dass mir das guttut", erklärt er dann der Polizei und gibt eine so jämmerliche Figur ab, dass man fast Mitleid haben kann.

Auch dem Mann der Chefin geht es nur wenig besser: Er ist zum Kinder-Abholen, Befehle-Empfangen und Spaghetti-Kochen degradiert worden. Verständlich, dass man da irgendwann aus lauter Frust zum Mörder wird. Schade, um die tollen Schauspieler und die gelungen düstere Inszenierung. Aber wenn die Botschaft lautet: "So kaputt gehen Männer, wenn Frauen Karriere machen", dann bleibt als Fazit nur: Mittelmaß. (Birgit Baumann/DER STANDARD; Printausgabe, 8.9.2009)