Wien - Erster Schultag - und ein Großteil der Lehrer ist nicht da. Für manch einen Schüler wohl der ideale Auftakt ins neue Schuljahr, für die Pädagogen an der Liese-Prokop-Privatschule für Hochleistungssport in Maria Enzersdorf bittere Realität. Der Schulerhalter - Trägerverein ist das Österreichische Leistungssport-Zentrum Südstadt (ÖLSZ) - habe nämlich, den erbosten Lehrern zufolge, den langjährigen Direktor überraschend seines Amtes enthoben.

Und dabei eine wohl kaum beabsichtigte pädagogische Kettenreaktion ausgelöst. Mit dem Abgang des Direktors hätten "aus Protest und Solidarität" gleich auch dessen Stellvertreter, die Administratorin, die Sekretärin und zwölf Lehrer mit einem unbefristeten Dienstvertrag der Hochleistungsschmiede den Rücken gekehrt. "Es ist katastrophal. Gleich in der ersten Konferenz hat man uns eröffnet, dass 40 Prozent des Lehrkörpers weg sind. Vorgezogene Reifeprüfungen mussten bereits verschoben werden und Schüler standen beim Nachzipf vor ihnen unbekannten Lehrern" , schildert eine verärgerte Pädagogin im Standard-Gespräch.

Drohender Namensverlust

Vonseiten des für die Privatschule nicht zuständigen niederösterreichischen Landesschulrates versucht man zu beruhigen. Präsident Hermann Helm: "Es hat kleine Unstimmigkeiten zwischen Direktion und Schulerhalter gegeben. Der Unterricht ist aber derzeit auf jeden Fall gesichert." Außerdem sei nicht jeder der zwölf Lehrer im Frust geschieden: "Einige haben ihren Vertrag nicht verlängert und sind an ihre Stammschulen zurück." Einen neuen Leiter hätte man dem Erhalter schon vorgeschlagen.

Es habe "bereits seit einem Dreivierteljahr" Unstimmigkeiten mit dem Direktor gegeben, rechtfertigt man sich beim ÖLSZ. "Konkret ist es dabei um die sportliche Ausrichtung der Schule gegangen. Wir wollten, dass mehr auf die Bedürfnisse der Sportler eingegangen wird. Zahlreiche Vermittlungsgespräche hätten aber nicht gefruchtet" , so ÖLSZ-Sprecher Ernst Wollner. Man habe dann über eine Amtsenthebung nachgedacht, der Direktor sei aber letztlich "von sich aus in Pension gegangen. Außerdem hat Gunnar Prokop, der Konsulent im Verein ist, gedroht, der Schule den Namen zu entziehen, wenn wir nichts gegen den Direktor unternehmen" , so Wollner. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 8.9.2009)