Bild nicht mehr verfügbar.

Ökoprodukte wiesen mehr erwünschte Inhaltsstoffe auf als konventionell gewonnene Produkte

Foto: APA/dpa/Friso Gentsch

Brüssel/Wien - Vor sechs Wochen schien eine Studie der britischen Food Standards Agency (FSA) Bio-Illusionen zu widersprechen: Nahrungsmittel aus ökologischem und konventionellem Anbau ließen keine bedeutenden Unterschiede beim Nährstoffgehalt erkennen, hatte eine Durchsicht von 162 wissenschaftlichen Artikeln ergeben. Jetzt verweist Claudia Sprinz, Landwirtschaftsexpertin bei der Umweltorganisation Greenpeace, auf eine "umfassendere, mit 31 Wissenschafts- und Wirtschaftspartnern erarbeitete Expertise, die zu anderen Schlüssen kommt".

Milch versus Fruchtjoghurt 

Denn laut besagtem, von der EU-Kommission von 2004 bis 2009 in Auftrag gegebenen Projekt ist die Frage, ob Nahrungsbestandteile biologisch oder konventionell gewonnen wurden, lediglich bei bereits verarbeiteten Molkereiprodukten wie etwa Fruchtjoghurt ohne Relevanz. Im Fall von Kornsorten oder Milch wiesen Ökoprodukte hingegen "höhere Anteile erwünschter Inhaltsstoffe wie Vitamine, Antioxydantien und ungesättigte Fette" auf - "in Biomilch sogar um durchschnittlich 70 Prozent mehr als in konventionell gewonnener Milch".

Laut der Expertise mit dem komplizierten Namen "Improving quality and safety and reduction of costs in the European organic and low input supply chains" (QLIF) war in Bioprodukten außerdem weniger Schwermetall und Pestizid aufzuspüren. Auch das Hygienerisiko der Ökotierhaltung entpuppte sich als gering, etwa bei der Outdoor-Schweinezucht in Dänemark, wo signifikant seltener Salmonelleninfektionen auftraten.

Europas Konsumenten, so die QLIF-Studie, hegen unterschiedliche Bioerwartungen: Regelmäßige Käufer wünschen sich, dass die Waren so naturnah wie möglich sind. Die weit größere und darum umsatzkräftigere Gruppe der Gelegenheitskonsumenten hingegen erwartet Öko-Convenience-Produkte. Hier Kompromisse zu erzielen sei "eine der Herausforderungen für den Ökoanbau in der EU", heißt es. Forschungsbedarf wiederum bestehe in Sachen Gesundheitseffekten von Bioernährung: "Tierversuche haben bisher widersprüchliche Erkenntnisse gebracht". (Irene Brickner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.9.2009)