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Foto: AP/JOERG SARBACH

Nachdem ich mein Wunschkind geboren habe, eigentlich bereits während der Geburt, wusste ich, dass alles was in den schlauen Büchern und von gutmeinenden Hebammen gesagt wird, nicht so ganz zutrifft. Die Geburt war ein Schockerlebnis für mich, ohne das Kind je aus dem Arm zu geben dachte ich mir, eine Schnapsidee war das Kinderkriegen schon. Nach den ersten fünf Monaten, wo das Stillen keine 9 Stunden pro Tag mehr in Anspruch nahm, konnte ich endlich wieder den Blick ein wenig in die Ferne richten. So sehr ich Rückbildungsgymnastik, Stillgruppe, Babytreff und Babymassage als junge Mutter genossen habe, ab dem sechsten Monat des Kindes bin ich, wenn auch nur für sechs Stunden, an meinen alten Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Ich habe mich für das Modell 20+4 entschieden. Ich kann es nur jemandem empfehlen, die sagt, sie weiß, dass sie Teilzeit nebenbei ohne Überschreitung der Zuverdienstgrenzen arbeiten kann. Wenn man schnell in den beruflichen Alltag zurckkehren will, dann würde ich das nächste Mal 15+3 wählen, meine Zeit ausschlielich mit dem Kind verbringen und dann wieder voll in den Beruf einsteigen.

Kontinuierlich habe ich meine Arbeitszeit erhöht und bin jetzt mit 16 Stunden pro Woche genug ausgelastet.

Kinderbetreuung

Es gibt nicht genügend Kinderbetreuung und die Vergabe von öffentlichen Krippenpltäzen habe ich nicht durchschauen können. Es war ein großer Kampf nach vielen Wegen, Vorsprachen und letztlich leider nur durch Vitamin B möglich einen öffentlichen Krippenplatz zu bekommen. Bis dahin habe ich auf ein großes Familiennetzwerk zurckgreifen können. Der Vater hat sich dezent rausgehalten. Im ersten Jahr hat er keine 10 Tage einen ganzen Tag alleine mit dem Kind verbracht.

Mein Kind hat eine einzigartige Position in meinem Leben, momentan ist es fast eins mit mir, und ich denke, es wird diese auch weiterhin behalten. Aber ungleich meiner Annahme in der Schwangerschaft, dass ich nach der Geburt des Kindes stets darauf schauen muss, dass ich mich selbst nicht vergesse, ist das nicht zugetroffen. Ich liebe es Mutter zu sein, mich um das Kleine zu kümmern, es zu verwöhnen und zu erziehen. Ich will aus ihm ein starkes, gesundes, selbständiges Wesen machen, darin sehe ich die Rolle der Mutter. Und so gesehen funktioniert es auch.

Unterschiedlich ist wohl der weitverbreitete Gedanke in der Gesellschaft, dass man als Mutter ausschließlich Mutter ist. Denn ich bin nicht ausschließlich Mutter und habe nicht den Wunsch alles selber zu tun und zu entscheiden, was das Kind betrifft.

Aber abgesehen davon ist in dem weiterverbreiteten gesellschaftlichen Bild der Mutter auch noch impliziert, dass man schnell den mit dem Partner gemeinsamen Haushalt führt, sich um Finanzen, Urlaube, Freizeitgestaltung kümmert, die Familienkontakte und Freundeskreise (von beiden Seiten) pflegt, aber dann, wenn das Kind schon aus der Pflichtschule drauen ist, sollte man sich doch auch bitte darum kümmern wieder irgendwo einen schlechtbezahlten Job anzunehmen, damit man dann doch noch irgendwie mit ach und krach eine Mindestpension zusammenkriegt und so ein wenig zum Haushaltseinkommen beitragen kann. Weithergeholt, überholt mögen einige sagen, aber obwohl ich mit einem Universitätsabschluss in einem Forschungsbetrieb, der mir erlaubt Teilzeit und flexibel zu arbeiten, ist die erste Annahme bei Arbeitszuweisungen immer, dass ich ja nur teilzeitbeschäftigt bin, an keine großartige Karriere denke und doch meine oberste Priorität mein Kind ist. Mein Ehemann ist ebenfalls mit einem Universitätsabschluss in einem Forschungsbetrieb tätig, bei ihm stellen sich keine Fragen, es heißt dann: Es ist sehr notwendig für Sie, dass Sie auf diese Konferenz fahren, schauen Sie dass Sie Gelder dafür beantragen.

Vorbereitung auf das Eltern-Sein

Nein. Ganz einfach, es geht nicht. Man kann das Wickeln nur am eigenen Kind lernen, das Baden ist immer ein Theater und wenn die Beikost kommt, fängt der Spaß erst richtig an. Der erste Schnupfen ist ein Weltuntergang.

Und wenn man in einer Partnerschaft lebt, dann leidet diese, auch wenn alle sagen, wie toll sich der Vater um das Kind kümmert, und das Kind schläft im Elternbett und alle drei sind dann ganz glücklich etc. Es geht einfach nicht, wenn man sich um ein völlig unmündiges Wesen und um sich selbst und mit Zuneigung und Zeit auch noch um den Partner kümmern soll, dann wird irgendjemand zu kurz kommen. Alle die das Gegenteil behaupten, verschließen die Augen vor den Tatsachen.

Man muss nur durchhalten und die Zeit überbrücken, bis das Kind Schritt für Schritt selbständiger wird, und das wird es, ich habe es nie für möglich gehalten. Allerdings in jeder Hinsicht, d.h. wenn es mit dem Pyjama auf den Spielplatz will, und es sehr laut danach verlangt, sieht man wie selbständig es ist.

Ich geb's gerne zu, manchmal möchte ich mir die Haare raufen und nach Kuba auswandern, aber nur für eine Millisekunde, in der nächsten sagt dann meine Tochter nämlich: "Mama spielen", und ich denke mir wieder, ich könnt ja auch in einer halben Stunde auf die Toilette gehen. (Martina L., dieStandard.at, 8.9.2009)