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Alexsandar Dragovic, Austrianer, 18 Jahre alt, 1,84 m groß und 76 kg schwer.

Foto: APA/ Jaeger

"Für ihn ist Fußball der Hafen", sagt Teamchef Dietmar Constantini. Er meint Alexsandar Dragovic, das Kücken in der österreichischen Kickerschar, die natürlich zuletzt kein aufgescheuchter Hühnerhaufen mehr war. Der 18-jährige Dragovic hat in Bukarest angelegt, er bestreitet gegen Rumänien sein viertes Länderspiel, der Bub ist in der Innenverteidigung gesetzt. "Darauf bin ich schon stolz", sagt er, und es klingt so selbstbewusst wie schüchtern. "Ich muss noch viel Erfahrung sammeln."

Er ist ein Kind der Wiener Austria und eines von serbischen Eltern, die nach Österreich ausgewandert sind. Zu einer Zeit, als Alexsandar maximal geplant war. Vater und Mutter haben sich mittlerweile in die Karibik abgesetzt, der Opa in Mödling hat sämtliche Aufgaben übernommen.

Im Alter von sechs Jahren hat Aleksandar bei der Austria angeheuert, er übersprang mehrere Nachwuchsklassen, besuchte später die Akademie in Hollabrunn. Frank Stronach kann im Fußball doch nicht alles falsch gemacht haben. Bis 15 kickte der brave Schüler im zentralen Mittelfeld, dann hat irgendein übermütiger Trainer entschieden, aus Dragovic einen Innenverteidiger zu formen. "Zunächst war ich traurig. Aus heutiger Sicht war's richtig." 2008 wurde er mit regelmäßiger Unregelmäßigkeit in der Ersten eingesetzt, als Partner eines ziemlich alten Herrn, der Pole Jacek Bak ist 37. "Von ihm lerne ich viel. Er könnte mein Vater sein." Bak hat übrigens einen 17-jährigen Sohn.

Dragovic träumt von Arsenal, wohl wissend, "dass Verteidiger seltener als Stürmer im Ausland unterkommen". Anderseits müsse man bescheiden bleiben. Mit der Austria Meister zu werden "ist auch nett". Weshalb im österreichischen Fußball nahezu ein Jugendwahn ausgebrochen ist, darüber mag er nicht groß philosophieren. "Die Generation ist ehrgeizig, sie scheißt sich, wie man so schön sagt, wenig." Und er nennt Jakob Jantscher, Daniel Beichler und Yasin Pehlivan als weitere Beispiele. Constantini bescheinigt Dragovic "die Abgeklärtheit und Übersicht eines 30-Jährigen. Aber er weiß auch, dass er sich weiterentwickeln muss." Paul Scharner, der gegen Rumänien wieder Kapitän ist, hält den Benjamin "für sehr intelligent". Dragovic über seine Stärken: "Ich kann ein Match gut lesen, werde nicht panisch." Das Kopfballspiel müsse er allerdings noch deutlich verbessern.

Die WM in Südafrika sei trotz der minimalen Qualifikationschance kein Thema. "Es ist ein Blödsinn, auf die Tabelle zu schauen." Constantini stimmt dem zu: "Für Rumänien ist es praktisch so unmöglich wie für uns, das wird eine interessante Partie." Dragovic stellt sich im Steaua-Stadion auf mehr Arbeit als beim 3:1 gegen die Färöer ein. Rumänien hat am vergangenen Samstag in Paris ein 1:1 gegen Frankreich erreicht, das beunruhigt nicht wirklich, zumal das Hinspiel in Klagenfurt dank Erwin Hoffer und Gottes Segen 2:1 gewonnen wurde. Constantini: "Die Franzosen hätten 5:0 gewinnen müssen. Aber so ist der Fußball, Rumänien kann selbstbewusst auftreten." Dragovic sagt: "Wir dürfen uns nichts scheißen." (Christian Hackl aus Bukarest, DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 9. September 2009)