Bukarest - Rumänien, am Mittwoch Gegner Österreichs in der WM-Qualifikation, hat in seiner Fußball-Geschichte erst einen ausländischen Teamchef gehabt. Und der war mit Josef Uridil ein Österreicher. Der einstige Rapid-Torgarant, geboren am 24. Dezember 1895 und gestorben am 22. Mai 1962, betreute Rumäniens Auswahl während der WM 1934 in Italien, bei der die Osteuropäer durch ein 1:2 gegen die Tschechoslowakei gleich zum Auftakt scheiterten.

Uridils Ankunft war im April 1934 in Rumänien begeistert gefeiert worden. Der Wiener betreute auch den Profiverein FC Ripensia Timisoara und erfüllte den Fans als knapp 40-Jähriger sogar den Wunsch, noch einmal selbst zu spielen. Beim 5:1 gegen Sighisoara erzielte Uridil zwei Treffer. Die Trainerbilanz des Mannes aus Wien-Ottakring mit Timisoara konnte sich sehen lassen, der Club gewann unter ihm zwei Meister- und einen Cup-Titel.

Davor war Uridil zu einem Idol in seiner vom ersten Weltkrieg schwer erschütterten österreichischen Heimat geworden, im grünweißen Dress Rapids war er zum Inbegriff des Sonntagvergnügens geworden. Hermann Leopoldi`s "Heute spielt der Uridil" wurde zum Ohrwurm und zum Gassenhauer der 20er Jahre.

Geburt der "Rapid-Viertelstunde"

Im April 1921 erzielte der Sohn eines Schneidermeisters beim 7:5 der Rapidler gegen den WAC alle sieben Tore seiner Mannschaft, vier davon in den letzten fünfzehn Minuten. Seit diesem Tag ist die berühmte "Rapid-Viertelstunde" zur Tradition geworden. Sie wird noch heute bei jedem Match von den Fans eingeklatscht und in ihr wurde schon so manches verloren geglaubtes Match aus dem Feuer gerissen.

Uridil war im Laufe seiner Spieler- und Trainer-Karriere nicht nur in Österreich und Rumänien tätig, sondern auch in Italien, der Slowakei, den Niederlanden, der Schweiz oder Deutschland. Zum Ende seiner Laufbahn kehrte Uridil wieder zu Rapid zurück und erlebte dort mit dem Meistertitel 1953/54 einen krönenden Abschluss.

Vor und nach Uridil bekleidete kein einziger Nicht-Rumäne das Amt des Teamchefs im Lande. Aktuell schwingt Razvan Lucescu das Zepter, der Sohn von Mircea Lucescu (2009 mit Schachtjor Donezk UEFA-Cup-Sieger) hat im April nach der 1:2-Niederlage der Rumänen in Klagenfurt gegen Österreich Victor Piturca beerbt.

Uridil war in der Zwischenkriegszeit laut Aufzeichnungen des neuen "ÖFB-Corner", dem offiziellen Magazin des ÖFB, bei weitem nicht der einzige österreichische Trainer-Export nach Rumänien. Auch Leute wie Josef Wana, Josef Pojwar, Friedrich Köck oder Eduard Bauer waren in diesen Jahren größtenteils erfolgreich auf Trainerbänken von rumänischen Oberhaus-Vereinen tätig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es kaum noch rot-weiß-rote Trainer oder Spieler nach Rumänien. 2006 wäre dann beinahe Dietmar Berchtold bei FC Farul Constanta gelandet, das Engagement beim Heimatverein der rumänischen Fußball-Größe Gheorghe Hagi zerschlug sich jedoch nach nur zwei Wochen. In Österreich waren laut dem Archiv auf bundesliga.at seit 1945 immerhin fünf Legionäre aus Rumänien tätig. (APA)