Der US-Künstler Charlie Todd hat "Flashmobs" veranstaltet, bevor es den Namen dafür noch gab. Und er macht mit dieser spontanen Kunstform im öffentlichen Raum auch weiter, nachdem sich die mediale Aufmerksamkeit wieder weitgehend gelegt hat. Am Samstag beispielsweise im Wiener MuseumsQuartier, wo er im Rahmen des "paraflows"-Festivals auch bei einem Symposium sprechen wird. Es gehe ihm um "ungewöhnliche Interaktion im öffentlichen Raum", sagt Todd zur APA.

Semitheatrale Kurzperformances im öffentlichen Raum

"Flashmobs", das sind semitheatrale Kurzperformances im öffentlichen Raum, die für Nicht-Eingeweihte überraschend sind und meist von großen Menschenmengen durchgeführt werden. Zuletzt waren weltweit zahlreiche große Menschengruppen dabei zu beobachten, wie sie Michael-Jackson-Nummern tanzten. Der Schauspieler Todd nennt seine Gruppe "Improv Everywhere" und seine "Flashmobs" "Missionen". Als "Flashmob"-Erfinder will er sich nicht bezeichnen. "Improv Everywhere" hat Todd 2001 gestartet, erst 2003 entstand der "Flashmob"-Trend. Die erste "Mission" war ein "Streich" im studentischen Umfeld, schildert Todd. Mit Hilfe eines Freundes hat er in einer Bar in New York so getan, als sei er der US-Musiker Ben Folds. Die anderen Barbesucher glaubten dies und spielten unwissentlich mit, indem sie Autogramme forderten. "Ein Mädchen gab mir seine Telefonnummer. Und der Bartender schenkte mir Gratis-Drinks ein."

Die bekannteste Aktion war denn 2007 in der New Yorker "Grand Central Station", wo plötzlich 200 Menschen unbeweglich am Fleck verharrten. Das Video dazu wurde seither auf YouTube 18 Mio. mal angesehen, so Todd. "Das hat den 'Flashmob'-Trend wieder aufleben lassen."

"mp3 Experiments"

Im MuseumsQuartier gibt es nun einen Teil seiner "mp3 Experiments"-Serie. Dafür laden sich Mitmach-Willige eine Klangdatei auf einen tragbaren Musikplayer, die dann von allen gleichzeitig gestartet wird. Enthalten sind Anweisungen, die nur die Mitmachenden über Kopfhörer hören können. So fallen die erwarteten 200 Teilnehmer u.a. gleichzeitig zu Boden - "für die anderen Menschen, die im Museumsquartier herumlaufen, sollte das ein bisschen schockierend sein", lacht Todd.

Hauptsächlich jedoch lustig: Auch heute noch steht der "Comedy-Gedanke" im Zentrum, doch Todd thematisiert auch die Fragen nach dem öffentlichen Raum und dem, was akzeptables öffentliches Verhalten ist. Die "Missionen" sollen jene "Freiheiten ausdrücken, die wir haben sollten", so Todd. Es sei schwierig, daraus direkt Geld zu machen, so Todd zur APA, auch wenn Werbeunternehmen sich von Todds Ideen "schwer beeinflussen haben lassen". Todd hat "daraus eine Karriere gemacht, indem ich zu Vorträgen eingeladen werde und für das Schreiben von Büchern bezahlt werde. Wir haben auch einen Pilot-Film für das US-Fernsehen gedreht und haben Werbeinnahmen von YouTube." Aber Todd "rate niemandem, das zu tun, wenn sie Geld machen wollen". apa