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Laut aktuellen Daten der Statistik Austria haben sich im vergangenen Jahr 1.268 Menschen in Österreich das Leben genommen

Foto: AP/Diether Endlicher

Genf/Hamburg/Graz - Selbstmord kann durch geeignete Maßnahmen verhindert werden, wobei Gesetze, Medien und Beratung eine wichtige Rolle spielen. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO am 10. September, an dem der internationale Tag der Selbstmord-Prävention stattfindet. So wenig das Thema auch öffentlich präsent ist, hat es doch weltweit gewichtige Bedeutung. Rund eine Million Menschen nehmen sich jedes Jahr das Leben, was einen Selbstmord alle zwei Minuten bedeutet. "In Mitteleuropa ist die Suizidzahl höher als die Summe der Todesopfer, die auf Straßenverkehr, Aids, illegale Drogen oder Gewaltverbrechen zurückgehen. Allerdings wird das Thema noch immer weitgehend tabuisiert", berichtet Georg Fiedler von der Deutschen Gesellschaft für Suizidprophylaxe.

Prävention durch gesetzliche Bestimmungen

Seien die Ursachen für Selbstmordversuche auch zahlreich, gebe es mehrere Formen der Prävention. Eine Möglichkeit dabei ist, die Form des Selbstmordes durch Gesetze zu reduzieren. "In der Schweiz oder in den USA wäre das etwa ein eingeschränkter Zugang zu Schusswaffen. In Deutschland und Österreich könnte man verschreibungspflichtige Medikamente in kleineren Packungsgrößen abgeben", so der Hamburger Psychologe.

Medien: Mehr Aufmerksamkeit für Prävention

Als zweiten Schritt zur Prävention des Selbstmordes sieht Fiedler die Besserung des Umgangs der Medien mit dem Thema. "Zeitungen, Fernsehen und Internet leisten oft einen negativen Beitrag, indem sie in der Schilderung der Vorfälle konkrete Orte angeben, die zur Nachahmung einladen." Ungünstig ist auch die verkürzte Darstellung der Ereignisse, besonders wenn die Grundhaltung gegenüber dem Selbstmordopfer von unreflektierter Sympathie oder Verständnis geprägt ist.

Statt die Identifikation des Lesers mit dem Opfer herbeizuführen, sollten Medien lieber Möglichkeiten der Reflektion bieten. Als Ziel für die Zukunft sieht der Suizid-Experte, dass die Selbstmordprävention in Nachrichtensendungen oder auf Titelblättern denselben Stellenwert bekommt wie dies der HIV/Aids-Problematik bereits gelungen ist. "Mehr Aufmerksamkeit und eine Enttabuisierung des Themas wären wünschenswert", so Fiedler.

Hilfestellung für Suizidgefährdete

Als wichtigen dritten Schritt, um Selbstmorde vorzubeugen, erwähnt Fiedler schließlich die Hilfestellungen für Suizidgefährdete. "Wichtig sind Bedingungen einer niederschwelligen Beratung, bei der Hilfesuchende keine Angst haben brauchen, etwa in der psychiatrischen Behandlung alle Autonomie zu verlieren. Das ist in der Regel nicht der Fall." Entsprechende Angebote wie Beratungsstellen und Ambulanzen gibt es bereits in vielen Großstädten. Angehörigen von Gefährdeten rät der Psychologe, sich Zeit zum Zuhören zu nehmen und Probleme nicht zu bagatellisieren. "Allein das Sprechen mit einer Vertrauensperson entlastet oft, und sie kann dabei behilflich sein, professionelle Hilfe aufzusuchen, die man in manchen Situationen braucht." Auch die WHO betont, dass es das Selbstmordrisiko wesentlich verringern kann, wenn Menschen in Gefahr genug Unterstützung ihres Umfeldes bekommen.

Suizid im Alter steigt dramatisch

Während die Suizidrate in Österreich generell sinkt, sind Männer im Alter zunehmend gefährdet, Suizid zu begehen. Darauf weist anlässlich des Welt-Suizid-Präventionstages das erste Geronto Psychiatrische Zentrum (GPZ) in der Steiermark in einer Aussendung hin. Laut aktuellen Daten der Statistik Austria haben sich im vergangenen Jahr 1.268 Menschen in Österreich das Leben genommen. Zwei Drittel davon waren Männer, die höchste Suizidrate fand sich dabei unter Männern ab 75 in der Steiermark. "Zur Hochrisikogruppe für Suizid zählen Männer ab dem 75. Lebensjahr. Männer in diesem Alter haben ein mehr als zehnfach höheres Risiko als die Durchschnittsbevölkerung", betont Brigitte Fuchs-Nieder, Psychiaterin und Leiterin des Geronto Psychiatrischen Zentrums (GPZ) in Graz.

Suizidankündigungen ernst nehmen

"Wichtig ist, Suizidankündigungen und auch erste Anzeichen von Suizidabsichten ernst zu nehmen", appelliert Brigitte Fuchs-Nieder an die Öffentlichkeit. "Es ist ein Mythos, dass jemand, der über Suizid spricht, sich nichts antun würde. 80 Prozent aller Suizide und Suizidversuche werden vorher angekündigt", weiß die Leiterin des GPZ. Sie rät Angehörigen, zur eigenen Entlastung und zum Schutz der Betroffenen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Verdacht auf Suizidabsichten besteht. (pte/red)