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Die katholische Kirche in Polen möchte das Parlament dazu bewegen, die künstliche Befruchtung zu verbieten.

Foto: REUTERS/Alessandro Bianchi

Warschau - Die katholische Kirche in Polen möchte das Parlament dazu bewegen, die künstliche Befruchtung ganz zu verbieten. Paare, die sich für die so genannte In-vitro-Fertilisation entscheiden, behandelten ein Kind wie einen "Gegenstand, den man kaufen kann", heißt es in einem offenen Brief des Familienausschusses des Episkopats an die Abgeordneten. Außerdem führe die künstliche Befruchtung zum Tod der "im Embrionalstadium befindlichen Brüder und Schwestern" des geborenen Kindes.

Bischof Kazimierz Gorny, Vorsitzender des Familienausschusses, gibt der Debatte um die künstliche Befruchtung eine grundlegende Bedeutung für die westliche Zivilisation. "Hier treffen die Zivilisation der Wahrheit, der Liebe und des Lebens auf die Zivilisation der Lüge, des Egoismus und des Todes", erklärte Gorny der Zeitung "Gazeta Wyborcza". Nach Informationen der Zeitung rufen Bischöfe auch persönlich bei Politikern an, um sie gegen die In-vitro-Methode einzunehmen.

Anlass: Gesetzesentwurf, der künstliche Befruchtung verbietet

Anlass für den offenen Brief ist ein Gesetzesentwurf, dessen erste Lesung am Donnerstag im Parlament stattfand und der ein generelles Verbot der künstlichen Befruchtung vorsieht. Er wurde von der Initiative "Contro in vitro" eingebracht, die rund 160.000 Unterschriften sammelte. Der Parlaments-Vizepräsident Stefan Niesiolowski von der rechtsliberalen Regierungspartei "Bürgerplattform" (PO) machte sich vor Journalisten lustig über den Brief der Bischöfe: "Ich würde gleich lebenslange Haft für Kinder einführen, die aus einer künstlichen Befruchtung stammen", sagte er.

Gesetzesentwurf abgelehnt

Das polnische Parlament hat in erster Lesung den Gesetzentwurf abgelehnt, mit dem künstliche Befruchtung mit Haft bestraft werden sollte. Den von ultra-konservativen Katholiken ausgearbeiteten Vorschlag wiesen am Donnerstag 244 Abgeordnete zurück; 162 stimmten dafür. Der Gesetzentwurf geht auf die Bürgerinitiative "Contra in vitro" zurück, die Unterschriften von rund 160.000 Unterstützern gesammelt hatte. Sie fordert die Einführung einer Gefängnisstrafe für sogenannte In-Vitro-Befruchtungen.

Dem Parlament liegen derzeit noch vier weitere Gesetzesprojekte zur künstlichen Befruchtung vor. Das liberalste stammt von der "Stiftung für Frauen", das von Abgeordneten der Oppositionspartei "Bündnis der demokratischen Linken" (SLD) unterstützt wird. Es sieht nur medizinische Beschränkungen für die künstliche Befruchtung vor. Zwei Projekte stammen aus der PO: Das konservativere will die Methode auf verheiratete Paare beschränken und das Einfrieren von befruchteten Eizellen verbieten. Neben dem Projekt von "Contro in vitro" steht der Entwurf aus der rechtskonservativen Oppositionspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) der Kirche am nächsten. (APA)