Der europäische Aktienmarkt profitierte diese Woche von positiven Wirtschaftsdaten, wie den stark gestiegenen Auftragseingängen in Deutschland. Der Stoxx 600 legte mit einer beeindruckenden Marktbreite um +4,24% zu. Jeder der 19 Sektoren legte um mehr als 1,4% zu. Insbesondere die guten Performances der Automobilproduzenten (+9%), der Reiseunternehmen (+7,5%) und der Rohstoffproduzenten (+7,3%) stachen heraus. Banken (+2,6%), der Einzelhandel (+2,1%) und Pharmaunternehmen (+1,4%) profitierten am wenigsten von der positiven Stimmung unter Investoren. Die relative Schwäche des Einzelhandels setzte sich somit fort und auf Monatssicht tendiert der Sektor aufgrund der Erwartung der anhaltenden Konsumschwäche unverändert.

Regional profitierten vor allem deutsche Aktien. Der DAX legte 5,5% zu und liegt nun wieder über 5.500 Punkte. Der SMI zeigt hingegen weiter eine relative Schwäche (+2,2%). Der VDax sinkt auf 26 Punkte (-2 Pkt.). Am Bondmarkt nahm der Spread zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Bunds weiter zu. Am kurzen Ende der Zinskurve sanken die Staatsanleihen abermals um 11 Basispunkte auf 1,08%. Die 10-jährigen stiegen nach dem Abwärtstrend der letzten Wochen auf 3,31% (+0,07 bps).

Rohstoffpreise bestätigen Aufwärtstrend

Auch der leichte Anstieg der Preise an den Rohstoffbörsen bestätigte diese Woche den Aufwärtstrend der Märkte. Das Barrel Brent legte um 4,5% auf USD 69,5 zu. Kupfer kostet in London USD 6.303/t (+0,4%) bei weiterhin leicht steigenden Lagerbeständen. Die Lagerbestände bei Aluminium stabilisieren sich hingegen zunehmend. Der Preis pro Tonne legte diese Woche um 0,2% auf USD 1.823 zu und stoppte somit den kurzfristigen Abwärtstrend. Der Baltic Dry Index scheint bei etwa 2.500 seinen Boden gefunden zu haben (+3%).

Die Industrieproduktion in Deutschland ist im Juli im Vergleich zum Vormonat überraschend geschrumpft. Auf Monatssicht fiel der Index preis- und saisonbereinigt um 0,9%. Im Juni war er revidiert um 0,8% gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr gab der Output um 17,0% nach, gegenüber einem Minus von revidiert 19,4% im Juni.

Die vom Markt mehr beachteten Auftragseingänge der deutschen Industrie legten im Juli erneut überraschend deutlich zu. Der Wert stieg im Vergleich zum Vormonat um 3,5%, was den erwarteten Anstieg um 1,6% deutlich übertraf. Gründe dafür sind laut deutschem Wirtschaftsministerium die große Zahl der Großaufträge, was die Inlandsnachfrage um 10,3% steigen lies. Ein kleiner negativer Beigeschmack ist jedoch, dass das Plus der Auftragseingänge im Juni von 4,5% auf 3,8% revidiert wurde und dass die Nachfrage aus dem Ausland um 2,3% zurückging. Trotzdem ist man im Ministerium zuversichtlich, dass die Industrieproduktion im dritten Quartal erstmals seit dem Einbruch wieder zulegen wird. Auch Fraport sieht Zeichen der Besserung in der gebeutelten Luftfahrtbranche. Diese sollte sich langsam erholen. Man rechnet 2009 mit einem Rückgang der Passagierzahlen um 5% bis 6%. Bislang erwartete der Flughafenbetreiber ein Minus von 6% bis 9%.

Sentix Index Erwartungskomponente

Der Sentix Index für Europa stieg im September erneut und notiert nun bei minus 14,6 Punkten (Vormonat: -17,0). Dieses Niveau hatte der Indikator zuletzt im August 2008 - also vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers - erreicht. Allerdings war die Eurozone die einzige globale Region mit einem nochmals verbesserten Gesamtindex, alle anderen Regionen verzeichneten Rückgänge. Die verbesserte Einschätzung für die Eurozone ging vollständig auf das Konto der Lagebeurteilung, die auf minus 32,75 (Vormonat: -39) Zähler stieg. Die Erwartungen gaben hingegen auf plus 5,5 (Vormonat: +8) nach.

Von Unternehmensseite direkt gab es diese Woche lediglich die Halbjahresergebnisse des Einzelhandelskonzerns Wm Morrison. Dieser verbuchte im ersten Halbjahr einen deutlichen Ergebnisanstieg. Der Umsatz legte im Berichtszeitraum um 5% auf GBP 7,46 Mrd. zu. Bei den vergleichbaren Umsatzerlösen verbuchte man einen Anstieg von 7,8%. Beim operativen Gewinn verzeichnete der Einzelhandelskonzern einen Anstieg auf GBP 476 Mio. (+54%). Unter dem Strich verbesserte sich der Nettogewinn nach Anteilen Dritter auf GBP 309 Mio. (+41%). In H1 des laufenden Fiskaljahres konnte der Einzelhandelskonzern vor allem von den erfolgreichen Umstrukturierungen und der Expansionspolitik profitieren. In den ersten sechs Monaten hat Wm Morrison 22 neue Niederlassungen eröffnet und 5.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Für die zweite Jahreshälfte geht der Konzern allerdings von einem leichten Abflachen der Umsatzentwicklung aus.

BMW gab diese Woche bekannt, dass man mit PSA Peugoet-Citroen enger zusammenarbeiten will. Geplant sei die gemeinsame Beschaffung von Komponenten wie Klimakompressoren. Bereits jetzt unterhalten PSA und BMW eine Motorenkooperation für die Marke Mini. Die BMW Aktie legte diese Woche 14% zu. Daimler ließ indes verlauten, dass man mit der Emission der jüngsten Anleihe im Volumen von EUR 2 Milliarden nicht nur den erwarteten Finanzbedarf für das laufende Jahr gedeckt, sondern auch in Teilen schon für 2010 vorgesorgt hat.

Nächste Woche dürfte sich der positive Trend an den Börsen fortsetzen. Zumal das Sentiment noch lange nicht ausgereizt ist. Das DAX Sentiment ist weiter pessimistisch. Bei dem immer mittwochs erhobenen Bull/Bear-Index (Befragung von rund 150 institutionellen Investoren) fiel der Anteil der Bären zwar um 9%-Punkte auf 34%, doch rechnen weiter 46% der Teilnehmer mit fallenden Kursen. Mit dem ZEW Index am Dienstag steht ein wichtiger Indikator an. Der Konsensus geht von einer Verbesserung der Erwartungen und der Lagebeurteilung aus. Von Unternehmensseite wird der Halbjahresbericht des Einzelhändler Inditex Beachtung finden.