Quelle: RegioData

Wien - Innerhalb Österreichs gibt es ein massives regionales Gefälle zwischen reichen Regionen mit kaufkräftiger Bevölkerung und ärmeren Gegenden. Ein Gefälle, das in den Wahlkämpfen dieses Herbstes eine Rolle spielt - Landeshauptleute sonnen sich ja gerne in den mehr oder weniger deutlichen Vorsprüngen, die ihr Land gegenüber dem Rest Österreichs aufweist.

Umgekehrt versucht etwa Oberösterreichs SPÖ-Chef Erich Haider, das Bild vom Musterland Oberösterreich zu relativieren: "Eine positive Sonderstellung unseres Bundeslandes ist nicht (mehr) erkennbar. Oberösterreich hat Ende August 2009 mit 1556 Lehrstellensuchenden, das sind 18,5 Prozent mehr als im Vorjahr, den zweithöchsten Wert aller Bundesländer." Und BZÖ-Sprecher Max Walch klagt: "Oberösterreich ist mit einem Rekordanstieg der Arbeitslosigkeit um unglaub-liche 51,8 Prozent gegenüberdem Vorjahr der traurige Spitzenreiter."

Eine in dieser Woche durchgeführte Market-Umfrage für den Standard relativiert das: 22 Prozent der Befragten meinen, dass "es in Oberösterreich während der derzeitigen Wirtschaftskrise eher besser läuft als im Rest Österreichs" . Nur 13 Prozent (in besonders hohem Maß bekennende Freiheitliche) sehen Oberösterreich wirtschaftlich schlechter dastehen. Regional betrachtet sind es vor allem Hausruckviertler, Linzer und Innviertler, die eine deutlich bessere Entwicklung spüren.

Die jüngste Kaufkraftanalyse von Regio-Data zeigt allerdings: Gerade der Innviertler Bezirk Schärding ist in Oberösterreich ein Schlusslicht, mit 84,1 Prozent liegt er deutlich unter dem nationalen Schnitt (Index=100) und weit hinter dem Regionalprimus Linz, wo der Indexwert 115,8 lautet.

Unter dem Österreich-Schnitt

Insgesamt liegen die Kaufkraftindizes sowohl für Oberösterreich als auch für Vorarlberg unter dem Österreich-Schnitt - allerdings haben sich beide Länder gegenüber 2008 leicht verbessert.

Die Vorarlberger spüren die Wirtschaftskrise wie die Oberösterreicher aber nicht deutlich stärker, es geht ihnen aber auch nicht besser: 21 Prozent meinen in der Market-Umfrage (n=400 Vorarlberger), dass es hier "eher besser" gehe, 14 Prozent "eher schlechter" . Ein Blick auf die Arbeitslosenzahlen gibt eher den Pessimisten recht: Die Arbeitslosenquote liegt bei 7,1 Prozent - über dem österreichischen Durchschnitt von 6,5 Prozent. 11.160 Menschen sind ohne Erwerbsarbeit, im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 45,5 Prozent.

Wenig Optimismus auch bei Vorarlbergs Industriellen. Die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung für das zweite Quartal ergab, dass 36 Prozent die aktuelle Geschäftslage als schlecht bewerten, 57 Prozent als durchschnittlich und nur sechs Prozent als gut. 82 Prozent erwarten sich für das nächste halbe Jahr keine Verbesserung der Geschäftslage. Allerdings hat Vorarlberg mit Lech - Index 139,1 - eine der kaufkraftstärksten Gemeinden Österreichs. Lech belegt den siebten Platz.

Der kaufkraftstärkste Bezirk Österreichs ist die Wiener Innenstadt (Index 203,6), der kaufkraftschwächste Zwettl (Index 79,7). (Jutta Berger und Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.9.2009)