Es ist offensichtlich eine wohlüberlegte Provokation, die auf Empörung und den medialen Transport dieser Empörung abzielt: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist gegen die Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren. Diese seien "oftmals auch Mörder" gewesen. Eine Provokation, gewiss, und man sollte Strache nicht auf den Leim gehen. Er bedient sein Klientel und provoziert die anderen - politisches Tagesgeschäft, könnte man meinen.

Dennoch kann man diese Aussagen nicht so stehen lassen, auch wenn man von einem wie Strache nichts anderes erwartet. Der FPÖ-Chef greift in der Argumentation die Tradition von Altnazis und Wehrmachtsnostalgikern auf, die meinen, es sei richtig und anständig gewesen, dem NS-Regime auf Gedeih und Verderb zu gehorchen und ihm bis in den Tod zu dienen. Es gibt auch die andere Sichtweise, dass Widerstand gegen die Nazis Pflicht gewesen sei, wo er möglich war. Und wenigstens im Nachhinein muss man den Mut derjenigen, die sich dem System entzogen haben, würdigen.

Dass Wehrmachtsdeserteure oftmals auch Mörder oder "Kameradenmörder" gewesen seien, ist auch historisch unrichtig. In den seltensten Fällen von Desertion aus der Wehrmacht war Gewalt gegen die eigenen Leute im Spiel.

Die Antwort auf Strache muss sein: Die Bemühungen, die auf eine Rehabilitierung von Wehrmachtsdeserteuren abzielen, müssen unterstützt werden, das Thema muss breiter diskutiert und aufgearbeitet werden. Vielleicht hat Strache ja soeben seinen Teil dazu beigetragen. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 14.9.2009)