Moskau/Wien - Laut Wedomosti habe der Lada-Produzent Anfang September das Wirtschaftsministerium über den bevorstehenden Abbau von 36.000 Stellen benachrichtigt. Der Jobabbau soll bis Jahresende stufenweise erfolgen. Die ersten 5000 Kündigungsschreiben sollen heute unterzeichnet werden.

Obwohl die russische Regierung alles versucht, um die heimische Autoindustrie zu schützen - höhere Importzölle und Staatshilfen in Milliardenhöhe - kommt der Lada-Produzent nicht auf die Beine. In den ersten acht Monaten sank der Absatz um 44 Prozent auf 240.000 verkaufte Fahrzeuge. Der Umsatz brach um mehr als die Hälfte auf 40 Milliarden Rubel (rund 880 Millionen Euro) ein. Ohne Staatskredit in Höhe von 560 Millionen Euro wäre Avtovaz schon pleite.

Erst Ende August hat Avtovaz-Chef Boris Aljoschin das Handtuch geworfen und seinen Platz für den Chef des Lkw-Herstellers Kamaz, Sergej Kogogin, freigemacht. Nach den Plänen der russischen Regierung sollen Avtovaz und Kamaz unter dem Dach der Staatsholding Rostechnologii fusioniert werden. Sberbank-Chef German Gref, der gemeinsam mit Magna bei Opel einsteigen will, favorisiert hingegen eine Verschmelzung von Avtovaz mit Gaz, der Autofirma von Oleg Deripaska.

In Toljatti geht nun die Angst vor sozialen Unruhen um. Bereits Anfang August demonstrierten 2000 Arbeiter und forderten die Zwangsverstaatlichung des größten Arbeitgebers in der Region. Die finanzielle Lage der Avtovaz-Arbeiter ist prekär. Sie müssen Gehaltskürzungen hinnehmen, da im August die Fließbänder stillstanden und ab September eine Wochenarbeitszeit von 20 Stunden gilt. Bereits jetzt erhalten rund 20.000 Arbeiter ein Gehalt unter dem Existenzminimum von 6000 Rubel (rund 130 Euro). (ved, DER STANDARD, Printausgabe, 15.9.2009)