Italien setzt bei seinem Einstieg in die Atomenergie auf mehrere Konsortien. Nachdem die Energiekonzerne Enel und Electricité de France den Bau von Atomkraftwerken planen, soll mit Ansaldo Nucleare und Toshiba Westinghouse nun auch eine zweite Gruppe von Unternehmen zum Zuge kommen.

In den letzten Tagen haben sich auch russische Investoren zu Wort gemeldet. Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola, hat dem russischen Handelsminister Victor Khristenko zugesagt, dass auch russische Technologie zur Anwendung kommen soll. Über das mögliche russisch-italienische Konsortium wird noch gerätselt.

Zusage an Moskau

Die Zusage an Moskau kommt wenige Tage vor dem US- Besuch Scajolas, wo die Grundlagen für eine Kooperation zwischen Westinghouse und der staatlichen Ansaldo gelegt werden sollen. Der Minister will mit dem Bau der ersten AKWs im Jahr 2013 starten und 2018 Atomstrom produzieren.

Die Standortwahl für die neuen AKWs soll in den nächsten Wochen getroffen werden. "Willigen" Regionen wurden massive Steuererleichterungen versprochen. Kurz nach der Katastrophe von Tschernobyl hatte Italien per Volksentscheid seinen Atomausstieg beschlossen. Nun muss Italien neue Energiequellen erschließen, da Versorgungsengpässe drohen. Der Wiedereinstieg in die Kernenergie steht aber nur auf dem Papier: Zum Zeitpunkt des "Ausstiegs" war kein Atommeiler am Netz. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand/DER STANDARD-Printausgabe, 15.9.2009)