Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) fordert einen besseren Schutz vor professionellem Inhalte-Klau im Internet. Es sei nicht länger hinnehmbar, dass aufwendig produzierte Qualitätsinhalte der Zeitungen von Dritten kommerziell genutzt würden, ohne dass auch nur ein Cent an die Verlage zurückfließe, sagte BDZV-Präsident Helmut Heinen am Montag in Fulda.

Bezahlen

Nötig seien effektive Bezahlmodelle für die Internetinhalte der Zeitungen, denn allein mit Online-Werbung sei publizistische Qualität im Internet nicht finanzierbar. Die künftige deutsche Bundesregierung müsse die freie Presse mit besseren Rahmenbedingungen stärken und mit einem umfassenden Leistungsschutzrecht vor den Fehlentwicklungen im Internet schützen, forderte Heinen.

Trend

Obwohl immer noch sieben von zehn Deutschen eine Tageszeitung hätten, verstärke sich vor allem bei Jüngeren der Trend zur Internetnutzung. Besorgniserregend sei in diesem Zusammenhang aber, dass das Interesse der jüngeren Internet-Nutzer an politischen Themen kontinuierlich zurückgehe. Am Ende dieser Entwicklung könne womöglich Politikverachtung stehen. Dem müssten die Zeitungen mit professionellem Journalismus, kontinuierlicher Information, Erklären und Gewichten von Fakten gegensteuern.

Für die deutschen Zeitungsverlage sei 2009 das wirtschaftlich schwierigste Jahr seit Jahrzehnten. Die Zeitungsverleger und alle privaten Medien bekämen die Krise in aller Härte zu spüren und könnten nicht auf "dicke Gebührenpolster der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zurückgreifen". Trotzdem fordere der BDZV keine Staatshilfen. "Unser Ziel ist der Erhalt der Qualitätspresse in einer digitalisierten Welt", sagte Heinen.

Diskussionen

Deshalb müssten Wege weg von der Gratiskultur gefunden werden. Die Frage nach bezahlten Online-Inhalten werde quer durch die Branche national wie international geführt, einen Königsweg gebe es offenbar nicht: "Das heißt forschen, ausprobieren, verwerfen und wieder von vorne anfangen und zwar immer mit der nachdrücklichen Botschaft: Qualitätsinhalte kosten", sagte Heinen.

Der BDZV-Präsident forderte angesichts des tiefgreifenden Wandels der Medienlandschaft auch eine Lockerung der Pressefusionskontrolle, damit Zeitungshäuser künftig in größeren Einheiten agieren könnten. Benachbarte Zeitungsverlage sollten leichter kooperieren können und Fusionen liberalisiert werden. Auch eine grundsätzlich unbeschränkte Beteiligungsmöglichkeit am lokalen Rundfunk gehöre zur Stärkung der Verlagsunternehmen, um sich für die Zukunft zu rüsten.

Strategie

Eigentümergeführte Verlagsunternehmen in Deutschland könnten langfristige Strategien entwickeln und dabei den publizistischen Anspruch wahren. "Eine Zeitung ist ein Wertpapier, sie ist aber kein Spekulationsobjekt", mahnte der BDZV-Präsident. (APA)