Kabul - Angesichts der eskalierenden Gewalt in Afghanistan muss die Internationale Schutztruppe ISAF nach Einschätzung ihres höchstrangigen deutschen Offiziers spätestens 2010 eine Trendwende schaffen. "Ich denke, dass wir bis zum nächsten Jahr Erfolge vorweisen müssen, denn ansonsten sind wir nicht mehr glaubwürdig", sagte Generalmajor Hans-Erich Antoni in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Kabul. "Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich bekanntermaßen verschlechtert. Diesen Trend gilt es umzukehren." Die NATO-Truppe ISAF setze dabei auf Sicherheit und Wiederaufbau.

Die Bevölkerung müsse ihre Umgebung als sicher empfinden, sagte der General. Durch Wiederaufbau müsse den Afghanen eine Perspektive geboten werden. "Nur ein Mensch, der etwas zu verlieren hat, ist auch bereit, dieses zu verteidigen." Antoni betonte: "Nur im Zusammenwirken dieser beiden Säulen denken wir, dass wir die Trendumkehr erreichen können." Dafür seien möglicherweise auch mehr Ressourcen notwendig. "Und wenn ich von Ressourcen rede, dann rede ich nicht automatisch von Kräften, sondern dann rede ich auch von Mitteln, von Geld, um den Aufbau und die Entwicklung voranzubringen."

Der General äußerte sich wegen laufender Ermittlungen nicht zu dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff im nordafghanischen Kunduz, bei dem nach Angaben einer afghanischen Untersuchungskommission auch 30 Zivilisten getötet wurden. Zur Politik des neuen ISAF-Kommandanten Stanley McChrystal, der die Vermeidung ziviler Opfer zu einem seiner wichtigsten Ziele gemacht hat, sagte Antoni: "Ich glaube, dass wir nur mit der Vermeidung von zivilen Opfern überhaupt erfolgreich sein können. Ein Mensch, dem die Familie oder das Eigentum weggebombt wird, der ist potenziell dafür geeignet, dass er sich gegen uns wendet und nicht uns unterstützt." (APA)