Barbara Kofler interessiert sich für Biochemie, weil sie "nah am Leben ist".

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Was haben Stress, Hunger, Lernen und Sex gemeinsam? Alle diese Regungen werden von Neuropeptiden, kleinen Eiweißhormonen in unserem Körper, reguliert. Barbara Kofler, seit 1995 Leiterin des diagnostisch-wissenschaftlichen Labors an der Uni-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Salzburg, beschäftigt sich mit der Rolle von Neuropeptiden in Entzündungsreaktionen.

Als frisch gekürte 47-jährige Chefin des Laura Bassi Centre of Expertise Therapep am Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg bündelt die Biochemikerin interdisziplinäre Ansätze und Partner aus dem Biotech- und Pharmabereich, um alternative Medikamente mit anti-entzündlicher Wirkung zu finden.

Großes Potenzial wittert die Innsbruckerin im sogenannten Galaninpeptidsystem, bestehend aus Galanin, GALP, Alarin und GMAP. Für die drei Erstgenannten wurde eine stark entzündungshemmende Wirkung in der Haut nachgewiesen. GMAP wiederum ist gegen Pilzerkrankungen wirksam. "Wir postulieren, dass Peptide des Galaninsystems entscheidende Regulatoren von angeborener Immunität und Entzündungsreaktionen in verschiedenen Organen sind und gehen davon aus, dass unterschiedliche Funktionen von verschiedenen Rezeptoren vermittelt werden", so die 47-Jährige.

Es liegt wohl auch in den Genen, dass sie zunächst Chemie an der Uni Innsbruck inskribierte: "Alle Vorfahren väterlicherseits kamen aus der naturwissenschaftlichen Ecke und waren Pharmazeuten bis zurück ins 18. Jahrhundert. Ich bin schon als Kind bei meiner Großmutter, selbst Medizinerin und Biologin, gesessen und durfte Kristalle im Mikroskop anschauen." Die Biochemie und ihre klinische Anwendung zog sie in den Bann, weil sie "nah am Leben" ist: "Die Regelmechanismen der Natur sind faszinierend. Oft sind Back-ups eingebaut. Etwas Neues zu entdecken ist viele Fehlschläge allemal wert", so Kofler über ihre Forschungsarbeit.

Ein Erwin-Schrödinger-Stipendium und einige Auszeichnungen ermöglichten ihr fast zwei Jahre Forschung in der Neurobiologie-Division des Garvan Institute of Medical Research in Sydney, Australien.

Englisch als Alltagssprache für die wissenschaftliche Vernetzung und ihren Führungsstil hat sie dort gelernt: "Die Tür meines Chefs war immer offen. Meine ist es auch. Wöchentliche Team-Besprechungen erleichtern es, Probleme anzusprechen. Die Hierarchien sind flach, die Zuständigkeiten klar geregelt." Nach ihrer Rückkehr aus "Down under" nahm sie die Herausforderung an, ein Forschungslabor in Salzburg aufzubauen. Die Analyse von Blut- und Harnproben sowie weitere Spezialdiagnostik bezahlt die Uni-Klinik. Die Forschung wiederum ist drittmittelfinanziert. Auch während der Karenz betreute sie daher ihre Projekte weiter.

Laura Bassi ist ein Programm des Wirtschaftsministeriums. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 16.09.2009)