Erstaunlich, dass es weiterhin Handybenutzer gibt, die beim Wechsel auf ein neues Modell mit ihrem Adressbuch oder Kalender wieder bei Null anfangen. Oder nicht so verwunderlich, denn jahrelang waren wir gewohnt, dass Handys Stand-alone-Geräte waren, die auf Kontakt zum PC oder Mac keinen Wert legten. Was wohl ein Grund war, warum sich Mobiltelefone so rasch festsetzen konnten. Aber in der Ära der Smartphones, ob es nun Blackberry, iPhone, Nokias N-Serie, Google-Handys oder Windows-Mobile-Gadgets sind, ist die Synchronisation mit dem Computer daheim oder im Büro unerlässlich.

Datensynchronisation als Herausforderung

Neue Termine und Adressen fallen bei vielen Gelegenheiten (und unterschiedlichen Geräten) an. Abgesehen davon, dass wir unsere Handys in kürzer werdenden Zyklen erneuern - oder sie gelegentlich im Taxi liegen lassen oder bei einer Bootsfahrt versenken. "Sync", die Synchronisation zwischen dem Handy und mindestens einem, möglicherweise mehreren PCs oder Macs ist darum eine unerlässliche Tugend geworden. Was noch vor ein paar Jahren selbst Initiierte als "Sync-Hell" bezeichneten (weil es fast unmöglich war, unterschiedliche Daten zwischen mehreren Geräten reibungslos abzustimmen, ist zu einem halbwegs routiniertem Vorgang geworden.

Verschiedenste Anbieter

Es gibt unterschiedliche Anbieter: Google Sync, das unterschiedliche Handy-Plattformen (Android, iPhone, Blackberry, Windows Mobile, Nokia S60) sowie PC, Mac oder Linux-Computer verbindet; ActiveSync, das Windows-Mobile-Handys mit PCs (mit Zusatzsoftware auch mit Macs) abgleicht; Ovi Sync von Nokia, das Handys mit dem Symbian S60 Betriebssystem mit PCs synchronisiert; Blackberry Sync für den Abgleich von RIM-Handys mit PC oder Mac; und MobileMe für den Gleichklang zwischen iPhone und PC und/oder Mac. In der einfachsten Form des Datenabgleichs verbindet man Handy und Computer mit einem Kabel und mitgelieferter Software. Die wesentlich elegantere Version von Sync ist jedoch "over the air", über Mobilfunknetz und Internet. Das setzt einen vermittelnden Dienst voraus, in vielen Unternehmen der Exchange-Server, der Kalender- und Adresseinträge laufend abgleicht. Die meisten Smartphones, auch das iPhone, beherrschen dies.

Online-Services zum Datenabgleich

Privaten Nutzern bieten Online-Services diesen Datenabgleich: Gratis bei Nokias Ovi (ovi.com) sowie Google (google. com/sync), um 79 Euro bei Apples MobileMe (me.com). Trägt man am Handy einen neuen Termin ein, erscheint er wie magisch auch am PC. Adressen und Kalender können auch über einen Internetbrowser von beliebigen Computern aus benutzt werden. Womit wir zum Kleingedruckten im Loblied für die Sync-Dienste kommen. Dass diese Services "einfacher" wurden ist nicht gleichbedeutend mit einfach: Wer noch nie mit Synchronisation gearbeitet hat, wird sich eine Weile herumplagen, bis alles läuft. Und auch wenn alles läuft, gibt es auch bei erprobter Software immer wieder unerklärbare "Erscheinungen", die auch gelassene User zur Weißglut treiben können. Aber im Vergleich zur "Sync Hell" von einst ist das ein Upgrade ins Fegefeuer.(Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe vom 17.9.2009)