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Darstellung eines Reiters auf der Grabstele des Abilus Cadiacus, der Angehöriger der Kavallerie im Lager in Strebersdorf war.

Foto: APA / GYMSMMI SOPRONI MUZEUM

Der Fund gelang heuer bei Grabungen im Rahmen des internationalen Bernsteinprojektes des ÖAI.

Foto: ÖAI

Strebersdorf - Auf der Feuerleiter aus 30 Meter Höhe hat man den besten Überblick. Was aber gibt es auf einem Feld in der Nähe von Strebersdorf im Burgenland aus Vogelperspektive zu bestaunen? Einen spektakulären Fund aus der Römerzeit. Nach fast 2000 Jahren zeigen Stangen im Boden erstmals wieder den Verlauf der antiken Bernsteinstraße und die Dimensionen der Befestigungsanlagen.

Forscher des Österreichischen Archäologischen Institutes (ÖAI) entdeckten im Rahmen des internationalen Bernsteinstraßenprojektes in Strebersdorf / Gemeinde Lutzmannsburg drei Militärlager mit mehr als zwei Hektar Größe. Die Lager und die dazugehörige Siedlung liegen direkt am wichtig- sten Handelsweg in römischer Zeit.

Den Grabungen gingen Untersuchungen mithilfe von Geomagnetik und Georadar voraus. Mit diesen modernen wissenschaftlichen Methoden ist es möglich, zerstörungsfrei - eben ohne zu graben - bis zu drei Meter unter die Erde zu "sehen". Auf diese Weise konnten die Archäologen ein 21 Hektar großes Gebiet systematisch untersuchen und so nach der Entdeckung der Siedlung im Vorjahr heuer die drei übereinanderliegenden Militärlager nachweisen.

Die Befestigungsanlagen wurden damals aus Holzpfählen, also aus vergänglichen Materialien errichtet. Ihre ehemalige Existenz lässt sich jedoch mithilfe der Geophysik rekonstruieren. Die zahlreichen Münzen, Bestandteile von Pferdegeschirren, Kurzschwert- und Schienenpanzerteile sind aber real und zu besichtigen. Buchstäblich in letzter Minute wurden rund 80 Fundstücke geborgen, da die Grabung nächste Woche wieder geschlossen wird.

"Wir können mithilfe der Funde aus dem Graben beweisen, dass das erste von den drei Lagern bereits zu Beginn des 1. Jahrhunderts nach Christus in der Zeit von Kaiser Augustus errichtet wurde", sagt Grabungsleiter Stefan Groh. "Damit ist das erste Militärlager von Strebersdorf momentan die älteste Befestigungsanlage einer Reitereinheit in Ostösterreich." In Carnuntum habe es damals nur Auwald gegeben - zumindest nach heutigem Stand der Forschung.

Drei Aufgaben für die Truppe 

Das erste Fundstück aus dem Graben ist Teil einer Pferdeausrüstung und beweist die Existenz einer Kavallerieeinheit und damit auch die Bedeutung des Ortes: Reiter waren nämlich immer die Elitetruppen der Römer. Das Militärlager erfüllte eine Dreifachfunktion: Erstens sicherten die stationierten Truppen die Handelsstraße und mussten zweitens die Provinz unter Kontrolle halten. Drittens kontrollierte das Militär den Abbau der Bodenschätze.

"Das Mittelburgenland war damals ein Industriegebiet mit reichen Raseneisenerzvorkommen, also quasi der Ruhrpott der Provinz", so Grabungsleiter Groh. Deshalb könne man hier überall auf dem Gelände mithilfe der geophysikalischen Untersuchungen die Existenz von Hochöfen beweisen.

Damit wurde das für die Waffenproduktion wichtige Eisen unter Aufsicht des Militärs gewonnen. Die Schmelzöfen hatten einen riesigen Bedarf an Holz, was wiederum die damalige Ökologie nachhaltig beeinflusste.

Trotz der teilweisen Schließung des spektakulären Fundes im Mittelburgenland werden die Archäologen des ÖAI intensiv weiterforschen und -graben. Es gilt noch möglichst viele Fundstücke sicherzustellen und so die vielen offenen Fragen über die Militärlager beantworten zu können. (Martin Grabner/DER STANDARD, Printausgabe, 19./20. 9. 2009)