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Niki Lauda fordert drastische Strafen.

APA-FOTO: HARALD SCHNEIDER

Paris - Mit Erleichterung nahm die Formel-1-Gemeinde Renaults Geständnis zum "Crashgate" und den Abgang von Teamchef Flavio Briatore zur Kenntnis. Der französische Rennstall bestreitet nicht mehr, dass sein Ex-Pilot Nelson Piquet jun. 2008 im Nachtrennen zu Singapur auf Anweisung der Teamleitung in Runde 14 in die Mauer krachte, um seinem Kollegen Fernando Alonso durch das Erzwingen einer Safety-Car-Phase die Umstellung von einer Drei-Stopp- auf eine Zwei-Stopp-Strategie zu ermöglichen. Die ebnete dem Spanier den Weg zum ersten von zwei Saisonsiegen.

Neben Briatore musste auch Chefingenieur Pat Symonds gehen. Im Gegensatz zum 56-jährigen Briten nahm Briatore nach seinem Rücktritt zur Causa Stellung. "Ich versuche damit das Team zu retten. Das ist meine Pflicht. Deshalb habe ich aufgehört" , sagte der 59-jährige Piemonteser dem britischen Boulevardblatt Mirror.

Die Märtyrer-These dominierte auch Italiens Presse. Der Corriere della Sera vermutete, dass Max Mosley, der Präsident des Automobilweltverbandes (Fia) im Hintergrund die Fäden gezogen hat. "Mosley rächt sich an Erzfeind Briatore" , schrieb das Blatt. "Der Fia-Präsident hat schlechteste Beziehungen zu Briatore, und der Unfallskandal ist für ihn eine gute Gelegenheit, um dem Italiener zu schaden" , wusste die Gazzetta dello Sport. Und La Repubblica berichtete von einer "gelungenen Racheaktion" und dem "Untergang einer Legende" .

Ecclestone nimmt Abstand

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, bisher ein enger Freund Briatores und mit diesem Besitzer des englischen Fußballklubs Queens Park Rangers, lobte Renault für die Vorgangsweise. "Sie haben das einzig Richtige getan" , sagte der 78-Jährige. Welche Strafe die Franzosen am Montag nach der Anhörung durch das World Council der Fia in Paris zu gewärtigen haben, wusste auch Ecclestone nicht. "Keine Ahnung, was da jetzt noch geschieht."

Dass Renault, wie da und dort gefordert, eine noch höhere Strafe als seinerzeit McLaren-Mercedes für die Spionageaffäre (100 Millionen Dollar) zahlen muss, ist eher auszuschließen. Ebenso wie die Entfernung der Franzosen aus der laufenden WM. Das wäre nur ein gutes Argument für den ohnehin ventilierten Totalrückzug des Werks, das auch als Motorenlieferant im Geschäft ist.

Ohnehin greife eine isolierte Betrachtung des Skandals, der von Niki Lauda als "größter Schaden für die Formel 1" bezeichnet wurde, nach Meinung von Rennsportlegende Jackie Stewart zu kurz. "Da ist etwas grundsätzlich faul im Herzen der Formel 1. Ich habe noch nie zuvor erlebt, dass sie einen solchen Hang zur Selbstzerstörung hat" , sagte der dreimalige Weltmeister. Die Fans, glaubt der 70-jährige Schotte, seien inzwischen angewidert von einem Sport, der von Krise zu Krise schlittert. Stewart fordert daher einen kompletten Neuanfang nach der Wahl des Fia-Präsidenten (Kandidaten sind der Franzose Jean Todt und der Finne Ari Vatanen) im Oktober: "Die Strukturen der Führung und des Managements müssen grundlegend reformiert werden." (sid, lü, DER STANDARD Printausgabe, 18.9.2009)