Venezuela vertieft seine Geschäftsbeziehungen mit China und bereitet ein 16 Milliarden schweres Ölgeschäft vor. Russland sicherte sich seinen Teil vom venezuelanischen Öl bereits letzte Woche mit einem Milliarden-Deal.

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Caracas - Venezuela hat nach Angaben von Präsident Hugo Chávez ein 16 Milliarden Dollar (10,91 Mrd. Euro) schweres Ölgeschäft mit China vereinbart. Mit der Unterzeichnung sollten im Gebiet der Orinoco-Mündung in den kommenden drei Jahren mehrere hunderttausend Barrel (ein Barrel=159 Liter) mehr pro Tag gefördert werden, sagte Chávez am Mittwoch. Der linkspopulistische Präsident nannte keine Details, bezog sich aber offenbar auf ein neues Geschäft. China hatte dem ölreichen Land in Südamerika bereits Investitionen in der gleichen Höhe für künftige Öllieferungen zugesagt.

Chávez erklärte, durch das neue Vorhaben werde die Ölförderung Venezuelas um 450.000 Barrel pro Tag steigen. Zum Vergleich: Venezuela lieferte China im ersten Halbjahr 2009 durchschnittlich rund 2,4 Mio. Barrel Öl im Monat.

Chávez bezeichnete das Geschäft als ersten Schritt, um die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern und die Geschäftsverbindungen mit anderen Nationen zu stärken. Der Deal, den die staatliche Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela SA gemeinsam mit offiziellen Vertretern Chinas ausverhandelt, soll bis Ende Oktober stehen.

Chávez hat vor zwei Jahren vier große Ölfelder in der Orinoco-Region verstaatlicht. Seitdem haben sich private Ölunternehmen bisher mit neuen Investition eher zurückgehalten. Damit dürfte es nun vorbei sein: Neben dem Joint Venture mit China hat Venezuela bereits vorige Woche mit fünf russischen Ölunternehmen - darunter Rosneft, Lukoil und Gasprom - vereinbart, ein Ölfeld für 20 Milliarden Dollar auszubauen.

Öl gegen Waffen

Auskunft über den wiedererstarkten Investitionsdrang ausländischer Firmen dürfte die Aussage des venezolanischen Ölministers geben: Für das Recht der Teilnahme an der Erschließung des Ölfelds "Junin 6" sollen die fünf russischen Konzerne nämlich einen Bonus von knapp 700 Millionen Euro bezahlt haben. Zusätzlich finanziert Russland mit einem Kredit von umgerechnet 2,2 Milliarden Euro Venezuela den Ankauf von 92 Panzern und des Raketenabwehrsystems S-300.

Die USA zeigen sich über die jüngsten Waffendeals Venezuelas naturgemäß wenig erfreut: Venezuela gefährde mit seinem Streben nach mehr Waffen die Stabilität in der gesamten westlichen Hemisphäre, sagte ein Sprecher des Außenministerium in Washington. Die Regierung in Caracas baue ein deutlich größeres Waffenarsenal als alle anderen Länder in Lateinamerika auf. Man sei besorgt, dass die anderen Staaten nachziehen könnten. (Reuters, abi, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.9.2009)