Wien - Bunte Blüten treibt die Causa Meinl. Wie bekannt, ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien gegen Meinl-Bank-Aufsichtsratschef Julius Meinl V. und andere; es geht unter anderem um Betrugsverdacht; es gilt die Unschuldsvermutung.

Derzeit sucht die Staatsanwaltschaft wieder einen Gutachter; der bisherige, Thomas Havranek, wurde ja abberufen. Er hatte vor seiner Bestellung einen Meinl-kritischen Gastkommentar geschrieben, was der Justiz immer bekannt war. Der Kommentar ist laut jetziger Entscheidung des Oberlandesgerichts Wien jedenfalls "geeignet, ... naheliegende Zweifel an unvoreingenommener und unparteilicher Gutachtenserstattung zu wecken" .

Der erstinstanzliche Auftrag an die Staatsanwaltschaft, "sofern möglich" einen Gutachter "aus dem europäischen Ausland" zu bestellen, wurde freilich abgeschmettert. Dem Vernehmen nach kommt der nächste aus der Steiermark (Bawag-Gutachter Fritz Kleiner), was aber nicht bestätigt wird.

Inzwischen ist Havranek selbst Gegenstand einer Anzeige (Verdacht auf Verstoß gegen das Verbotsgesetz): auf seinem privaten Internet-Account sind entsprechende Bilder aufgetaucht.

Havranek (es gilt die Unschuldsvermutung) geht von einem Hacker-Angriff aus und hat nun seinerseits Anzeige (Verleumdung, widerrechtlicher Zugriff auf ein Computersystem) erstattet. Mit dem erbitterten Kampf Meinl-Havranek hat all das laut Meinl Bank nichts zu tun, sie weist solche Vermutungen als "falsch, willkürlich und zurück. Angeblich sind die Dateneingriffe am 27. Februar von der Slowakei aus erfolgt; tags zuvor war der Ablehnungsantrag gegen Havranek nach Hausdurchsuchungen in Wien und Bratislava eingebracht worden.

Havranek-Anzeige und Gegenanzeige wurden jedenfalls an die Oberstaatsanwaltschaft Wien übergeben; sie wird die Sache höchstwahrscheinlich an einen Staatsanwalt außerhalb Wiens übergeben.

Der Wiener Staatsanwaltschaft wiederum ist zuletzt rund um die Causa Meinl "zugetragen worden, dass unsere Seite von Detektiven überwacht wird" , erzählt der Sprecher der Anklagebehörde, Gerhard Jarosch. "Gerüchte" , die Meinl-Bank-Sprecher Thomas Huemer als "absurd" zurückweist. Zu hören ist etwa, dass versucht worden sei, Privates über Meinl-Staatsanwalt Markus Fußenegger zu erkunden.

Auswirkungen hatten die Gerüchte in der Anklagebehörde aber allemal. Büros und Telefone von Staatsanwälten wurden auf das Vorhandensein von Wanzen untersucht, heißt es, auch die Computer werden überprüft. "Wir haben zwar überhaupt keine konkreten Vermutungen, dass die Gerüchte stimmen, schützen uns vorsorglicherweise aber trotzdem. Bisher ist alles okay" , bestätigt der Chef der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Werner Pleischl, die Maßnahmen.

Für Fortsetzung in der Causa Meinl ist jedenfalls gesorgt. Am Freitag wird die Meinl Bank der Öffentlichkeit verraten, welche rechtlichen Schritte sie als nächstes zu unternehmen beabsichtigt. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.9.2009)