Rom - Die italienische Polizei hat am Freitag am Flughafen von Bari den mit Silvio Berlusconi befreundeten süditalienischen Unternehmer Gianpaolo Tarantini verhaftet. Die aufsehenerregende Festnahme wurde mit Fluchtgefahr und möglicher Beeinträchtigung der Beweismittel begründet.

Tarantini, dem Korruption und Drogenhandel zur Last gelegt werden, hatte in den vergangenen Jahren mehrfach bezahlte Partygirls auf die zahlreichen Feste in Berlusconis Privatresidenzen geschleust. Darunter befand sich auch die Prostituierte Patrizia D'Addario, die im römischen Palazzo Grazioli eine Nacht mit dem Premier verbracht und ihr Gespräch auf Tonband mitgeschnitten hatte. D'Addario hat den Regierungschef vergangene Woche zu einer öffentlichen Diskussion aufgefordert.

1000 Euro pro Nacht

Tarantini hatte ohne Wissen des Premiers jungen Frauen für ihre Teilnahme an den Festen Flug, Hotel und 1000 Euro pro Nacht bezahlt. Die Staatsanwaltschaft von Bari, die nun gegen Tarantini ermittelt und die 30 betroffenen Frauen verhört hat, schließt ein Verfahren gegen Berlusconi aus, weil "kein Vergehen vorliegt" . Der Premier hatte vor wenigen Tagen auf einer Pressekonferenz klargestellt, "nie für eine Frau bezahlt" zu haben, weil das "den Reiz der Eroberung beeinträchtigen" würde. Tarantini wird auch beschuldigt, Regionalpolitikern in Apulien aus geschäftlichen Gründen Frauenbesuche vermittelt zu haben.

Dazu gehört der Landesrat für Gesundheit, Sandro Frisullo, Mitglied der linken Landesregierung. Um Aufträge von den regionalen Sanitätsstellen zu erhalten, soll Tarantini mehrere Beamte bestochen haben. (mu/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2009)