Zwar konnten die iranischen Behörden den Al-Quds-Tag doch nicht absagen, anders als so viele andere traditionelle Ramadan-Veranstaltungen heuer. Aber mit der Kombination von Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad als Vorredner und dem rabiaten Ahmed Khatami als Freitagsprediger - anstelle von Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, der sonst immer spricht - machten sie klar, woher der Wind weht. Ob das politisch klug war, sei dahingestellt: Thema auf der Straße war umso mehr nur die Repression und nicht, wie vorgesehen, die palästinensische Sache.

In seiner Rede mit den bereits üblichen Ausfällen gegen Israel gab Ahmadi-Nejad einen Vorgeschmack darauf, was bei seinem bevorstehenden Auftritt bei der Uno in New York zu erwarten ist. Der US-Politikwechsel, den Raketenschild in Osteuropa betreffend, ist einstweilen für Teheran nur von relativer Relevanz. Das würde sich erst ändern, wenn Russland enger mit den USA gegen den Iran kooperiert - was sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus regionalpolitischen Gründen weniger als eine ausgemachte Sache ist. Der russisch-iranische Interessenausgleich im Kaukasus und in Zentralasien ist auch für Moskau wichtig.

Außerdem weiß Irans Regime genau, dass eine Anpassung der US-Strategie an die Realitäten nicht unbedingt zu seinem Vorteil ausfallen muss. Mit der Kluft in der Iran-Analyse zwischen westlichen Politikern und Pressure-Groups einerseits und nüchternen Experten andererseits kann Teheran gut leben. Denn sie dient nur als Beweis, dass von politischer Seite eine ideologische Debatte geführt wird. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2009)