Vorarlbergs Industrie lebt vom Export. Ohne die türkischstämmigen Arbeiter und Arbeiterinnen stünden die Maschinen still. Die Tourismusbetriebe könnten ohne internationale Gäste und Arbeitskräfte zusperren, die Festspiele wären ohne multinationale Teams nicht durchführbar. Ausgerechnet in einem Land, das ohne kulturelle Vielfalt ein Hungerleider wäre, leistete sich eine Partei einen widerlichen Wahlkampf der Ausgrenzung.

Die FPÖ hetzte wochenlang gegen Muslime, erteilte über Plakate den Befehl "Deutsch ist Pflicht" . Der Regierungspartner ÖVP reagierte erst, als sich der FPÖ-Spitzenkandidat durch antisemitische Äußerungen ins rechtsextreme Eck stellte. "So etwas" , nämlich internationale Schlagzeilen und damit Imageschädigung, kann man im Industrie-, Tourismus- und Kulturland nicht dulden. Es werde keine Regierungspartnerschaft mit der FPÖ mehr geben, kündigte Sausgruber an. Das gilt hoffentlich auch noch nächste Woche.Denn egal, ob FPÖ-Chef Egger den antisemitischen Sager gezielt oder aus Dummheit gemacht hat: Er hat sich und seine Partei als Koalitionspartner disqualifiziert.

Mit seinen trotzig wiederholten Äußerungen gegen "die jüdische Seite" hat Egger längst überwunden geglaubten Antisemitismus geweckt. Die FPÖ hat mit ihren Parolen den Ausländerhass geschürt und einen tiefen Keil in die Vorarlberger Gesellschaft getrieben.Sollte das Kalkül aufgehen und die FPÖ am Sonntag zweitstärkste Partei werden, wäre der Imageschaden das kleinste Problem. (Jutta Berger/DER STANDARD-Printausgabe, 19./20. September 2009)