Kabul - Die deutsch-dänische Künstlergruppe "Surrend" hat wieder zugeschlagen: In einem knapp halbseitigen Inserat in der englischsprachigen afghanischen Tageszeitung "Outlook Afghanistan" informiert sie die Bevölkerung als "deutsches Ministerium für Staatssicherheit" darüber, dass Deutschland damit begonnen habe, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen.

Der in Berlin lebende dänische "Surrend"-Künstler Jan Egesborg meinte dazu im Telefonat mit der APA, mit dem Fake-Inserat solle ein Statement für den Abzug der deutschen Truppen abgegeben werden. Dass dadurch handfeste Richtungsänderungen zu erreichen sind, ist unwahrscheinlich - ebenso, dass auch nur einigermaßen des Englischen mächtige Leser sich durch das angeblich "offizielle" Inserat aus Berlin täuschen lassen werden: Abgesehen vom (gewollt?) inferioren Englisch des Textes liegt auch die Begründung für den Abzug der Truppen eher weitab des üblichen Diplomaten-Sprechs: "..many of the german soliders (sic) are in a bad shape, and suffers from eyes problems because of local sandstorms" - "...viele der deutschen Soldaten sind in einem schlechten Zustand und leiden unter Augenproblemen aufgrund örtlicher Sandstürme."

"Surrend" besteht aus den Dänen Egesborg und Pia Bertelsen, die in Berlin leben und arbeiten. International bekannt wurde das Paar mit fingierten Anzeigen in der regimetreuen "Teheran Times", in der in einer Lobeshymne auf Irans Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad das Wort "Schwein" versteckt war. In der Tradition des Anti-Nazi-Künstlers John Heartfield klebten sie in Deutschland Plakate gegen NPD und Linkspartei und zuletzt schmuggelten sie in eine Kleinanzeige der "Tripoli Post" die Worte "Gaddafi" und "lunatic" ("Verrückter"). (APA)