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Wie viele Einwohner von Abidjan mit einer Zahlung rechnen können, gab Trafigura nicht bekannt

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London  - Drei Jahre nach dem Giftmüllskandal in der Elfenbeinküste hat sich die niederländische Ölhandelsfirma Trafigura Beheer mit den Betroffenen auf eine Entschädigung geeinigt. Wer nach dem Abladen giftigen Mülls in der Hafenstadt Abidjan über Krankheitssymptome klagte, soll nach Angaben einer Trafigura-Sprecherin vom Sonntag rund 1.050 Euro erhalten. Wie viele Einwohner von Abidjan mit einer Zahlung rechnen können, gab Trafigura nicht bekannt. Die britische Anwaltskanzlei Leigh Day sprach von 30.000 Betroffenen.

Ein Trafigura-Frachter hatte den Giftmüll aus Europa im August 2006 nach Afrika gebracht. Die Firma mit Sitz in den Niederlanden und einer Niederlassung in Großbritannien hat die rechtliche Verantwortung für das wilde Abladen in Abidjan jedoch zurückgewiesen: Dies sei von einem örtlichen Unternehmen durchgeführt worden. Der Inhaber der ivorischen Firma wurde deswegen bereits zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Die Aufräumarbeiten in der Elfenbeinküste hat Trafigura mit rund 150 Millionen Euro unterstützt. Das Unternehmen räumte in einer Erklärung ein, dass der giftige Müll Symptome von Grippe und Unruhe hervorrufen habe können, betonte aber zugleich, es gebe keine Hinweise, dass er für Todesfälle, Fehl- und Totgeburten oder Geburtsschäden verantwortlich gewesen sei. Betroffene des Giftmüllskandals haben unterschiedlich auf die außergerichtliche Einigung reagiert. Claude Gohourou, der als Vorsitzender der Nationalen Koordination für Giftmüllopfer nach eigenen Angaben 31.000 Geschädigte vertritt, sagte am Montag der Nachrichtenagentur AFP, eine "schlechte Vereinbarung" sei besser als ein sich noch lange hinziehender Prozess mit ungewissem Ausgang.

Neue Verhandlungen gefordert

Eine andere Vereinigung forderte die multinationale Ölhandelsfirma Trafigura dagegen zu "neuen Verhandlungen" auf. Das Unternehmen wolle die Opfer "verlogene Erklärungen" unterzeichnen lassen, wonach es keine Opfer und nur einige kleinere Verletzungen gegeben habe, sagte Denis Yao Pipira vom Opferverband Fenavidetci. Ein Trafigura-Sprecher hatte am Sonntag in London erklärt, pro Opfer würden umgerechnet etwa 1.150 Euro gezahlt. Ursprünglich sollte der Prozess am 6. Oktober in der britischen Hauptstadt beginnen.

Im August 2006 waren insgesamt 500 Tonnen Giftmüll auf offenen Halden in der Wirtschaftsmetropole Abidjan entsorgt worden. Mindestens 15 Menschen starben kurz darauf, mehr als 100.000 Menschen mussten wegen Durchfall, Erbrechen und Atemproblemen ärztlich behandelt werden. Transportiert wurde der Giftmüll auf dem von Trafigura gecharterten Frachter "Probo Koala".

(APA)