Istanbul/Wien - Die musikalische Vielfalt der Türkei bringt das zweitägige Festival "Spot On: Turkey Now" (10. und 11. Oktober) ins Wiener Konzerthaus. Und diese Vielfalt speist sich aus Wurzeln, die jedem Wiener wohlbekannt sein müssten: Denn die osmanische Musik, die "früher in den Palästen zu hören war", sei eine "reiche kulturelle Mischung" mit u.a. jüdischen, Roma- und Balkan-Einflüssen, sagt der Darbuka-Spieler Misirli Ahmet beim Gespräch in seiner Musikschule in Istanbul. "Und die türkische Folklore ist wieder ganz etwas anderes." Kurz gesagt: So etwas wie "eine türkische Musik" gibt es nicht, sagt Ahmet.

Im Konzerthaus trifft dieses ohnehin schon überreiche musikalische Spektrum der Türkei während "Spot On: Turkey Now" auf österreichische Klang- und Stimm-Welten: Karl Markovics und Recai Hallac lesen türkische Kurzgeschichten und Lyrik, das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich spielt Werke von Mozart, Rossini und Strauß mit Türkei-Bezug, und Fatima Spar & The Freedom Fries tragen ihre Wiener Weltmusik bei. Die türkischen Musikerinnen und Musiker Ferhan und Ferzan Önder, Hüseyin Sermet und Tugce Tez (alle am Piano) treffen auf die österreichischen Percussionisten Leonard Schmidinger und Martin Grubinger und spielen Werke von Bartok, Fazil Say und Sermet. Auf eine visuelle und akustische Erkundungsreise in die Türkei entführt der Musikfilm "Crossing the Bridge" von Fatih Akin, und zu später Stunde fährt DJ Arkin Allen eine Mischung aus traditioneller Sufi-Musik und elektronischen Klängen auf.

Konzerthaus-Chef Bernhard Kerres schildert im APA-Gespräch: Das Programm ist als "Plattform der Begegnung ganz offen ausgerichtet. Wir machen dem Konzerthaus-Publikum ein Angebot und gehen auch auf die türkische Community in Wien zu." So wird es schon vorab als "Preview" am 3. Oktober ein "Saturdance" und ein "Sing-Along 'alla turca' am Brunnenmarkt" (jeweils in der Brunnenpassage) geben.

Nicht nur die alteingesessenen Wiener haben bei "Spot On: Turkey Now" die Möglichkeit, sich an die Klänge aus dem Südosten Europas anzunähern. Denn die Istanbul Kültür Sanat Vakfi (IKSV, Istanbul Stiftung für Kultur und Kunst), die in Istanbul Musik- und Film-Festivals veranstaltet und mit dem Konzerthaus das "Spot On"-Programm in Wien ausrichtet, will "hochwertige türkische Kultur im Ausland auch für die dortige türkische Community erlebbar machen. In Deutschland und Österreich gibt es viele junge Menschen, die die eigene Kultur nur aus Erzählungen kennen", sagt Deniz Ova, die bei der IKSV als Leiterin für internationale Projekte tätig ist. Mit internationalen Veranstaltungen wie "Spot On" soll diesen Menschen die "Möglichkeit gegeben werden, reinzuschnuppern", aber auch "geschlossene Communitys zu öffnen".

Für Kerres ist dieses kulturelle Aufeinander-Zugehen auch ein politischer Akt - "ein gesellschaftspolitischer. Aus Parteipolitik halte ich mich raus. Aber man kann es kulturell unterstützen, dass Ängste abgebaut werden." (APA)