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Erdgas ist so billig wie seit sieben Jahren nicht mehr. Allein 2009 ist der Preis des Rohstoffs um 40 Prozent gefallen.

Fotos: dpa

An den Zapfsäulen ist die Wirtschaftskrise kaum zu bemerken: Die Preise steigen. Ein Liter Normalbenzin kostet seit August wieder mehr als einen Euro und ist damit um rund 25 Prozent teurer als zu Jahresbeginn. Der Grund für den teureren Tank: Der Rohölpreis hat in nur sieben Monaten um fast zwei Drittel zugelegt. Nach den ersten Anzeichen auf eine Erholung der globalen Wirtschaft kostet Öl der Marke West Texas Intermediate 72 Dollar je Barrel (siehe Grafik). Damit liegt der Rohölpreis zwar immer noch bei der Hälfte des Wertes vom Juli 2008, der Sprit an der Tankstelle ist im selben Zeitraum aber nur um 19 Prozent billiger geworden. Das liegt einerseits daran, dass das Öl auf dem Weg vom Bohrturm zur Zapfsäule weiterverarbeitet wird, andererseits aber auch an den Steuern, die auf das Endprodukt aufgeschlagen werden. Die Futures-Märkte, auf denen Wertpapiere gehandelt werden, die Rohstofflieferungen in der Zukunft versprechen, sagen sogar: Der Ölpreis kann in nächster Zeit auch noch auf mehr als 80 Dollar steigen.

Rohstoffanalysten gehen aber davon aus, dass der Ölpreis nun für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau verharren wird. Experten der Deutschen Bank rechnen sogar mit niedrigeren Preisen von rund 50 Dollar je Fass Rohöl ab 2011. Denn in den vergangenen Monaten hätten immer neue Ölfunde im Golf von Mexiko und vor der Küste Brasiliens der Theorie vom "peak oil" - dass es eine Grenze für die global geförderte Menge Öl gibt - den Wind aus den Segeln genommen. Analyst Adam Sieminski: "Die Ölförderung mag eines Tages gipfeln, aber unserer Meinung nach steht das noch nicht unmittelbar bevor."

Die Erschließung dieser neuen Vorkommen wird teuer. So ist das Tiber-Ölfeld im Golf von Mexiko nach Angabe der Betreiber mit mehr als elf Kilometern unter dem Meeresspiegel die tiefste Quelle, die je gefunden wurde, und auch weitere Ölfunde der jüngsten Vergangenheit verlangen mehr Aufwand zur kommerziellen Nutzung. Diese höheren Kosten seien durch einen Rohölpreis von 55 Dollar finanzierbar, sagen die Analysten. Die jüngsten Kursanstiege seien daher vor allem von kurzfristigen Spekulationen getrieben, weniger von einer fundamentalen Knappheit.

Trotz der jüngsten Anstiege beim Rohöl wird die aktuelle Heizsaison für viele Haushalte wohl günstiger sein als 2008. Noch vor etwas mehr als einem Jahr notierte etwa Heizöl, das die Bewegungen von Rohöl mitmacht, bei mehr als 105 Euro pro 100 Liter. In den vergangenen Monaten ist der Brennstoff von rund 53 Euro je 100 Liter im Februar auf 65 Euro gestiegen und liegt im Schnitt auf dem Niveau von 2007. Jüngste Zahlen belegen, dass die Nachfrage im September trotz einer Preissteigerung von 8,4 Prozent sehr hoch war. Konsumenten nutzen offenbar die Preisabschläge im Vergleich zum Vorjahr.

Erdgas besonders billig

Kurz vor der Heizsaison ist damit sicher: Es sind nicht die Ölnutzer, die tiefer in die Tasche greifen müssen. Ein Vergleich der Arbeiterkammer Niederösterreich belegt aber, dass die Preise für Holzbriketts und Pellets deutlich stärker gestiegen sind, zwischen 16 und 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während Öl seit Februar eine Kursexplosion erlebte, hat Erdgas einen anderen Weg eingeschlagen: nach unten. So notiert der Rohstoff in den USA derzeit so niedrig wie seit sieben Jahren nicht mehr, auf etwas mehr als drei Dollar (pro 26,4 Kubikmeter Gas). Allein 2009 fiel der Preis um mehr als 40 Prozent.

Gas ist allerdings ein Markt, der stärker regional geprägt ist. Schließlich sind Pipeline-Projekte wie das Nabucco-Projekt teuer und mit einer langen Investitionsdauer behaftet, und Gas ist - anders als Öl - nicht so leicht transportierbar. In den USA gibt es derzeit jedenfalls eine richtige Überflutung mit Erdgas: neue Funde, Überproduktion und die niedrigere Nachfrage im Zuge der Wirtschaftskrise haben den Preis verfallen lassen. Diese Tendenz hat sich erst in den vergangenen Wochen umgekehrt.

Ebenfalls noch nicht erholt hat sich der Preis von Ethanol. Während der Preis für den normalen Sprit wieder auf höherem Niveau liegt, hat sich der Biosprit noch nicht vom Kursverfall im Zuge der Krise erholt. Der Anreiz, aus Weizen oder Zuckerrüben Bioethanol zu gewinnen ist angesichts dieser Preise nicht gegeben, heißt es aus der Branche.

Besonders dann, wenn der Grundstoff Zucker ist, denn der Weltmarktpreis für den süßen Rohstoff hat sich seit Oktober fast verdoppelt. Damit ist Zucker relativ teuer geworden, um ihn zu immer noch billigem Bioethanol zu verarbeiten. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 22.9.2009)